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11. Februar 2012
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Wenn Menschen sich krank essen

Sickter Präventionsrat veranstaltet Vortragsabend über Essstörungen im Rittersaal des Herrenhauses

Von Stephan Querfurth

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SICKTE. Für einen großen Teil junger Menschen sind maßloses Essen, Brechsucht oder Magersucht zu einem Problem ihres Lebens geworden.

Unter dem Titel "Ein Abend durch dick und dünn" informierte der Sickter Präventionsrat über Hintergründe und Möglichkeiten von Hilfe bei krankhaften Essstörungen.

Häufig seien die betroffenen Jugendlichen in ihrer Gesundheit ernstlich gefährdet, häufig seien sie so in die Problematik verstrickt, dass sie völlig hilflos und verzweifelt seien, erläuterte die Sickter Ärztin Dagmar Milde am Dienstagabend im Rittersaal des Sickter Herrenhauses.

Gefährliches Schönheitsideal

Eine ernst zu nehmende Störung liege vor, sobald ein Kontrollverlust zu beobachten sei, erläuterte die Ärztin. Viele Jugendliche, vorwiegend junge Mädchen, hingen einem Schönheitsideal nach, dass Schlanksein als Voraussetzung für privaten und beruflichen Erfolg propagiere. Aber auch familiäre, soziale und biologische Faktoren spielten eine unübersehbare Rolle als Ursache und Auslöser dieser Störung, so die Allgemeinmedizinerin.

Milde beschäftigte sich in ihrem Vortrag besonders mit der Magersucht (Anorexie), der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und den Fressattacken (Binge-Eating-Disorder). Die an Magersucht leidenden Menschen seien häufig hochintelligent und sehr sensibel, zu den eigenen Gefühlen sei der Zugang jedoch blockiert. "Der Körper wird als Feind erlebt und bekämpft", so die Ärztin. "Es ist erschreckend, diese Menschen zu erleben. Mitunter ernähren sie sich nur noch von aufgeweichtem Toilettenpapier oder in Joghurt eingetauchten Wattebäuschen."

Häufiges Doppelleben

Menschen führten oft ein Doppelleben: "Sie werden allen Menschen ihrer Umgebung gerecht, führen aber gleichzeitig Krieg gegen sich selber." Diese oft im Alter von 25 bis 30 Jahren auftretende Störung führe zu Heißhunger-Attacken, die bis zu vier Stunden anhalten könnten. Die aufgenommene Nahrung werde dann wieder mit Hilfe von Abführmitteln oder durch erzwungenes Erbrechen ausgeschieden.

Die noch weitgehend unerforschte Störung Binge-Eating-Disorder führe zu einer unkontrollierten Fresssucht. Betroffene fühlten sich oft hilflos, litten unter Depressionen.

Der Psychologe Holger Barkhau, Leiter der Braunschweiger Jugendberatung bib, zeigte therapeutische Ansätze auf, mit denen Menschen mit Essstörungen geholfen werden könne. Es sei wichtig, gegenüber den Betroffenen nicht immer über das Thema zu reden, sondern mit ihnen Hintergründe zu erfragen.

"Sie müssen akzeptieren, nicht immer erfolgreich sein zu müssen", so der Therapeut. An Bulimie Leidende müssten sich ihre Unvollkommenheit eingestehen und Binge-Eating-Kranke lernen, ihre Aggression nicht nach innen zu kehren, sondern sie ausdrücken zu können.

Freitag, 13.11.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11260692/menuid/2164
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