Asse-Ausstellung von Protest begleitet
Atomkritiker wollen Aufmerksamkeit auf Morsleben lenken – Bürgermeister nimmt gelbes "A" entgegen
Während das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Rathaus seine Asse-II-Ausstellung eröffnet, protestieren draußen Kernkraftgegner. Die Gruppe will auf die Zustände eines anderen umstrittenen Endlagers aufmerksam machen: Morsleben.
Ein Teil der Besucher ist irritiert. Denn dem Vorwurf, das BfS informiere nicht transparent genug, tritt dessen Präsident Wolfram König zur Sekunde entgegen. Doch an der Infopolitik in Sachen Asse hat die AG Schacht Konrad auch wenig zu bemängeln: Sie fragt sich vielmehr, weshalb das BfS, das seit 1990 für Morsleben verantwortlich ist, Vergleichbares nicht auch für das Endlager in Sachsen-Anhalt anbietet.
Peter Dickel greift zur Flüstertüte. Eine Asse-Infostelle und ein Asse-Infomobil gebe es schon, nun würden im Rathaus auch noch "bunte Filmchen gezeigt", spottet er auf dem Stadtmarkt. Auf dem Pflaster weisen derweil gelbe Transparente auf die besondere Endlagerproblematik unserer Region hin.
König stellt sich der Kritik, sieht aber einen gravierenden Unterschied zwischen Morsleben und der Asse: "Morsleben hat im ganzen Jahr so viel Zufluss wie die Asse pro Tag", verdeutlicht er.
König hat es derzeit nicht leicht. Erst jüngst hatte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander gefordert, den BfS-Präsidenten abzulösen. Dieser meint dazu: "Ich muss das nicht kommentieren und freue mich über die Unterstützung derjenigen, die an einer Lösung der Herausforderung Asse II interessiert sind."
Die Schau des BfS gibt einen Überblick über die Geschichte der Asse, den heutigen Stand und die drei Optionen, wie mit dem eingelagerten Atommüll verfahren werden kann. Technisch machbar sei es, ihn wieder herauszuholen, den Schacht mitsamt Müll zu verfüllen oder die Atomfässer umzulagern. Zu sehen sind Videos und ein dreidimensionales Asse-Modell. Ferner liegen diverse Infomaterialien aus. König: "Jeder soll verstehen, was in der Asse geschieht."
Bürgermeister Thomas Pink lobt die Transparenz, die das BfS im Schließungsverfahren herstelle. Vorherige Betreiber wären dilettantisch zu Werke gegangen, "da war kaum Sachverstand zu erkennen". Gleichzeitig warnt Pink davor, eine ideologisierende Debatte über Asse II zu führen: "Hier haben alle politischen Farbenlehren versagt." Aus den Händen der Wolfenbüttelerin Eleonore Bischoff erhält er ein gelbes "A" des Vereins Aufpassen.
König verdeutlicht abschließend, dass die für Dezember geplante Entscheidung für eine Variante zunächst rein konzeptionell sei. "Wir müssen dann den Nachweis erbringen – das wird mehrere Jahre dauern." In diesen Prozess solle die Bevölkerung erneut konsequent mit einbezogen werden.













