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18. März 2010
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Anderen etwas Zeit schenken

Irmgard und Herbert Kollwitz sind ehrenamtlich als Alltagsassistenten tätig und kümmern sich um Ältere

Von Christine Pelz

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Ingeborg Richter schaut zunächst fragend, dann umspielt ein Lächeln den Mund der 82-Jährigen. Sie hat ihre beiden Besucher, Irmgard und Herbert Kollwitz, erkannt.

Einmal wöchentlich kümmern sich die beiden Börßumer um die Wolfenbüttelerin, die seit einigen Monaten nach einem Schlaganfall im Pflegeheim Steinhäuser Gärten lebt. Beide Söhne der alten Dame wohnen einige 100 Kilometer von der Lessingstadt entfernt und haben sich an das Seniorenservicebüro gewandt. Dieses hat das Ehepaar Kollwitz für den Besuchsdienst ausgewählt.

Beide haben im März den ersten von bislang drei Kursen für so genannte Alltagsassistenten besucht. In 50 Stunden Theorie und 20 Stunden Praxis haben beide erfahren, wie man mit alten Menschen umgeht, sie aktiviert, und was Altsein bedeutet.

Dabei gehört das Paar selbst nicht mehr zu den Jüngsten. Herbert Kollwitz ist 68 Jahre, seine Frau 62 Jahre. Ihnen aber ist es wichtig, Kontakt zu schließen und Älteren etwas von ihrer Zeit abzugeben. "Ich bin mit meiner Großmutter aufgewachsen, habe den Börßumer Seniorenkreis geleitet – alte Menschen gehörten immer zu meinem Leben dazu", sagt Irmgard Kollwitz.

Davon profitiert nun auch Ingeborg Richter. Ihr lesen beide Geschichten vor, spielen mit ihr Rummikub oder schieben sie mit dem Rollstuhl spazieren. Gerne würden sie auch noch anderen Personen ihre ehrenamtlichen Dienste zur Verfügung stellen, "doch die Anforderung durch das Seniorenservicebüro läuft nur schleppend an", sagen beide.

Sie vermuten, dass es zum einen daran liegt, dass das Angebot noch nicht bekannt genug ist, und dass Ältere äußerst misstrauisch gegenüber Fremden sind.

Mustafa Eser vom Seniorenservicebüro schiebt die geringe Nachfrage darauf, dass viele das kostenlose Angebot nicht kennen würden. Lediglich 8 von bisher 32 ausgebildeten Alltagsassistenten seien auch in ihrem Ehrenamt tätig. "Wir gehen aber davon aus, dass der Bedarf da ist und bieten daher auch weitere Kurse an."

Bei der Familie Kollwitz lag zwischen der Fortbildung und dem ersten Besuch bei Ingeborg Richter ein halbes Jahr: "Da hat man schnell mal das eine oder andere wieder vergessen", sagt Herbert Kollwitz. Er regt an, dass auch die Pflegeheime sich dann, wenn Bewohner keinen Besuch bekämen, an das Servicebüro wenden sollten. Für Putzdienste oder pflegerische Tätigkeiten stehen die Alltagsassistenten allerdings nicht zur Verfügung.

Für die eigene Zukunft hat das Ehepaar Kollwitz vor allem einen Wunsch: "Dass es jemanden geben wird, der sich auch um uns eines Tages kümmern wird." Derjenige wiederum müsse – so wie sie selbst – bereit sein, ein Stück der Freizeit mit einem Fremden zu teilen.

Montag, 08.02.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11677713/menuid/2164
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