"Die Schule erstickt an Bürokratie"
Leiter der Wolfenbütteler Gymnasien kritisieren zunehmende Verwaltungsarbeiten
Bilden und Erziehen soll die Schule. Statt sich um Pädagogik zu kümmern, muss sie sich aber immer mehr mit Verwaltungsarbeiten herumplagen, sagen die Leiter der Wolfenbütteler Gymnasien.
Praxisferne Brandschutzvorschriften beklagt zum Beispiel Rudolf Ordon vom Theodor-Heuss-Gymnasium (THG). In den Gängen vor den Klassenzimmern habe er Kleiderhaken abschrauben und Holzschränke entfernen lassen, berichtet er. Jacken und Mäntel der Schüler dürften nicht mehr vor den Klassenzimmern hängen. Um einen Holzschrank mit Putz-Utensilien solle sogar extra eine Mauer gebaut werden. "Das soll 3000 bis 4000 Euro kosten", sagt Ordon.
Eine Vielzahl von Konten
Und der Schulleiter hat mehr Beispiele. Seit einigen Monaten dürften Lehrer keine Konten mehr führen, auf denen sie Geld, beispielsweise für Klassenausflüge, anlegten. Nur noch die Schule dürfe das. Die Konsequenz: Das THG müsse für jeden Lehrer ein Konto eröffnen. Die Sekretärin müsse es verwalten. Ein sinnloser Aufwand, der kaum zu bewältigen sei, sagt Ordon: "Das nimmt uns die Luft zum Atmen. Die Schule erstickt an Bürokratie."
Management und pädagogische Arbeit zusammenzubringen, werde immer schwieriger, sagt auch Ulrike Schade, Leiterin des Gymnasiums im Schloss. Mehr und mehr Statistiken seien zu führen und immer mehr E-Mails zu lesen und zu beantworten, sagt sie. "Es gibt Dinge, bei denen man fragt: Ist das wirklich nötig?"
Peter Ensthaler, Leiter der Großen Schule, will sich nicht beklagen. Handlungsbedarf sieht er aber auch. Eigenverantwortliche Schule, Zentralabitur, Ganztagesschule und Abitur nach zwölf Jahren sorgten für Mehrarbeit.
"Enorme Mehrarbeit"
"Man hat ein Reformpaket in die Gymnasien hineingedrückt wie nie zuvor in der Bundesrepublik." Und das, ohne die personellen Resourcen zur Verfügung zu stellen. Für Gesundheitsmanagement, Brandschutz, Sicherheit vor Amokläufern und Erste-Hilfe-Ausbildung der Lehrer sei er verantwortlich. Er müsse Arbeitsverträge mit Honorarkräften abschließen und Geld der Stadt budgetieren. "Das ist enorme Mehrarbeit."
Zudem hätten die Schülerzahlen zugenommen. "Immer obendrauf – das geht nicht mehr", sagt Ensthaler. Vor allem Sachbearbeiter-Aufgaben möchte er aus der Schule wieder heraus halten. "Ich bin kein Fachmann in Tarifrecht", sagt er. Über Details der Anstellung einer Honorarkraft solle sich beispielsweise die Landesschulbehörde Gedanken machen.
Der Schulleiter solle sich darauf konzentrieren, einen passend qualifizierten Lehrer auszuwählen. Immerhin gebe es in der Zwischenzeit Überlegungen, die Arbeit der Schulsekretärinnen aufzuwerten. Ensthaler: "Das sind in der Praxis Büroleiterinnen."













