Gegen das Vergessen
Robert Seeboth schrieb Kurzbiographien über Wolfenbütteler Widerstandskämpfer
WOLFENBÜTTEL. Aus Ärger über die städtische Dokumentation über die Zeit des Dritten Reiches in Wolfenbüttel hat der 83-jährige Robert Seeboth Alltagsereignisse aus beinahe vergessenen Zeiten aufgeschrieben.
In der Schrift "Die Geschichte der Stadt Wolfenbüttel von 1933 bis 1945" sei ihm zu wenig auf die Menschen eingegangen worden, die sich in Wolfenbüttel gegen das Hitler-Regime gewandt hätten, beklagt der 83-Jährige. Im Vorwort seiner vom Deutschen Gewerkschaftsbund in der Reihe "Regionale Gewerkschaftsblätter" herausgegebenen Dokumentation mit dem Titel "Menschen von nebenan Alltagsereignisse aus beinahe vergessenen Zeiten" schreibt Seeboth: "In dieser Schrift möchte ich einige Bürger vorstellen, die ihren Lebzeiten eine nicht unerhebliche Rolle in der Stadt spielten."
Nur sehr wenige Wolfenbütteler würden noch die Geschichte dieser Wolfenbütteler kennen, deren "Geschichte aber zu Unrecht in die Vergessenheit gedrängt worden" sei: "Zu Unrecht deshalb, weil sie zu den wenigen gehörten, die 1933 versuchten, den Machtantritt Hitlers zu verhindern."
17 Kurzbiographien hat Seeboth in seiner Dokumentation zusammengestellt. Unter den Porträtierten befindet sich auch sein gleichnamiger Vater, der in der Nacht vom 6. zum 7. Juli 1933 von SA-Leuten aus dem Bett geholt wurde und in ein Büro der NSDAP in der Mühlenstraße gebracht wurde. Hier traf er auf 14 seiner Genossen aus der kommunistischen Partei Wolfenbüttels, die ebenfalls verhaftet worden waren und später im Braunschweiger AOK-Gebäude schwer misshandelt wurden. Seeboths Vater wurde dabei schwer am Rücken verletzt und sechs Jahre später zum Invaliden erklärt.
Über die Vernehmungen im AOK-Gebäude sowie Urteile des Braunschweiger Sondergerichts hat Seeboth Extra-Texte hinzugefügt. Und er dokumentiert den letzten Brief der Belgierin Fernande Volral, die 1944 als belgische Widerstandskämpferin im Wolfenbütteler Strafgefängnis hingerichtet wurde.
Seeboth hat unter der Überschrift "Gegen das Vergessen" folgenden Personen Kurzbiographien gewidmet: Minna Fasshauer, Fritz Fischer, Ernst Goldbach, Karl Heise, August Kauffholdt, Familie Koch, Herrmann Manowski, Alfred Müller, Erich Nagel, Adolf Otte, Alfred Perkampus, Fritz Röttger, Berta Schmeding, Robert Seeboth, Albert Stübig und Heinrich Wedekind.
Die 45-seitige Dokumentation kann ab Mittwoch im Verdi-Büro im Gewerkschaftshaus am Rosenwall gegen eine Spende von fünf Euro erworben werden.













