Neues Gräberfeld soll erforscht werden
Geschichtswerkstatt für Wolfenbütteler Schüler ist auch mit einer Fahrt nach Weißrussland verbunden
Mit der Erforschung des Gräberfeldes 27 a und b auf dem Hauptfriedhof wird das erfolgreiche Schüler-Geschichtsprojekt der JVA-Gedenkstätte fortgesetzt. Von 2005 bis 2009 hatten Schüler das Gräberfeld 13a am russischen Ehrenmal erkundet.
"Den Frauen und Männern, die durch den nationialsozialistischen Eroberungskrieg Opfer von Zwangsarbeit, Strafjustiz und Kriegsgefangenschaft wurden": Bisher erinnert nur ein Gedenkstein mit dieser Aufschrift an die Opfer, die im Gräberfeld 27a und b auf dem Friedhof beigesetzt wurden.
Nun soll mit einer neuer Geschichtswerkstatt auch dieses Gräberfeld erkundet und gestaltet werden, berichteten Markus Weber und Wilfried Knauer von der Gedenkstätte in der Justizvollzugsanstalt.
Nachdem im Laufe des Jahres 1944 deutlich geworden war, dass die Belegung des Gräberfeldes 13 a mit den sterblichen Überresten der sowjetischen Kriegsgefangenen und den im Strafgefängnis Wolfenbüttel Hingerichteten an Grenzen stoßen würde, schuf die Friedhofsverwaltung mit dem Gräberfeld 27 a und b am nördlichen Friedhofsrand eine neue und größere Bestattungsfläche. Das hat Knauer nach Recherchen herausgefunden.
Die Fläche wurde ab November 1944 an mehreren Stellen gleichzeitig mit den Gräbern ganz unterschiedlicher Gruppen von Opfern aus den Jahren bis 1946 belegt.
In insgesamt acht Gräberreihen sind dort Opfer beigesetzt. Zuerst seit dem 23. November 1944 im Strafgefängnis Wolfenbüttel Hingerichtete und verstärkt seit Dezember 1944 Strafgefangene, die infolge der Haftbedingungen an mangelnder medizinischer Versorgung und schlechter Ernährung gestorben waren.
Die Sterblichkeit nahm schließlich solche Ausmaße an, dass allein in der mittleren Gräberreihe wie in einem Massengrab dicht an dicht annähernd 100 Personen beigesetzt wurden, berichtet Knauer.
Weitere Opfer waren vor allem Zwangsarbeiter aus nahezu allen von der deutschen Wehrmacht besetzten west- und osteuropäischen Ländern. Schließlich auch vereinzelt deutsche Soldaten und als letzte Gruppe in den beiden direkt am Weg gelegenen Gräberreihen die nach Todesurteilen britischer Militärgerichte Hingerichteten. Es waren dies vor allem Deutsche, die wegen unbefugten Waffenbesitzes verurteilt worden waren und ebenso auch deutsche Kriegsverbrecher.
Insgesamt muss von mehr als 300 Gräbern ausgegangen werden, für die das jeweilige Schicksal der dort Bestatteten noch im Detail erforscht werden muss.
An dieser neuen Geschichtswerkstatt, zu der im Juli auch eine Fahrt nach Weißrussland gehört, können noch weitere Schüler teilnehmen, berichtete Markus Weber.













