Gebetsruf und Kanon im Roncalli-Haus
Erstes gemeinsames Fastenbrechen zwischen Muslimen und Christen in Wolfenbüttel
Es war genau um 20 Uhr und 10 Minuten als der islamische Gebetsruf, der Adhan, ertönte: "Allahu akbar, Aschhadu an la ilaha illallah", Gott ist der Größte, ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt, außer Gott. Und danach erklang vielstimmig der Kanon "Segne Vater diese Gaben".
Es war Freitagabend. Ort dieses bemerkenswerten Geschehens: Das Roncalli-Haus der katholischen Kirchengemeinde in Wolfenbüttel. Das Roncalli-Haus sei von seinem Verständnis her ein einladendes Haus, sagte Pfarrer Matthias Eggers bei seiner Begrüßung der mehr als 80 Gäste, die zusammen gekommen waren. Es waren Wolfenbütteler muslimischen und christlichen Glaubens.
Mehr Verbindendes
Das gegenseitige Verstehen und das respektvolle miteinander Umgehen sei ein gerade sehr aktuelles Thema, so Eggers. Er betonte, dass Christen und Muslime mehr miteinander verbinde als trenne.
Angeregt hatte diese Begegnung anlässlich des abendlichen Fastenbrechens der Vorstandsvorsitzende des erst kürzlich gegründeten Vereins "Bildungsinitiative Wolfenbüttel", Ilker Yümsek. "Wir brauchen Mut, um Kommunikationshürden zu überwinden und um auch im Alltag aufeinander zuzugehen", so Yümsek. Der Verein habe es sich die Integration muslimischer Bürger in Wolfenbüttel in die Gesellschaft zur Aufgabe gemacht.. Dazu gehöre auch die Beratung von Eltern, mehr Wert auf frühkindliche Erziehung zu legen und Schüler zu unterstützen, sich selber Ziele zu setzen.
Der islamische Fastenmonat Ramadan dauert nach dem muslimischen Mondkalender 29 Tage und begann in diesem Jahr am 11. August und wird am am kommenden Mittwoch enden. In dieser Zeit ist den Gläubigen nur gestattet vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang Nahrung und Getränke zu sich zu nehmen.
Die Mahlzeit, die nach dem Gebetsruf zu Sonnenuntergang eingenommen wird, das Iftar, wird als Fastenbrechen bezeichnet. Und dies wurde nun also erstmalig von Muslimen und Christen im Roncallihaus gemeinsam gefeiert. Da gab es Datteln und Fladenbrot, Reis und gefüllte Weinblätter, Köfte, Salate und viele Süßspeisen. Bewusst waren christliche und muslimische Familien durch Tischkarten zusammen an Tische geführt worden.
Über Fasten berichtet
Aus der katholischen Kirchengemeinde hatte zuvor Peter Heldt über das Wesen des christlichen Fastens informiert. Sinn des Fastens sei, so Heldt, dass der eigenen Verzicht beim Fasten durch Taten der Nächstenliebe zu ergänzen sei. "Verzicht kann auch Gewinn bedeuten", so Heldt.
Für Ilker Yümsek ist der muslimische Ramadan "eine Zeit der Solidarität mit den Menschen, Zeit der Erziehung zur Bescheidenheit und des Erlebens von Geduld."













