Sigmar Gabriel: Asse II ist ein Sicherheitsrisiko
Bundesumweltminister diskutiert in Wolfenbüttel Sein Rat: Die zuständige Fachministerin einladen
WOLFENBÜTTEL Verfüllung der Lagerstätte oder Rückholung der belasteten Einlagerungen: Wie soll oder wie kann es mit dem Atommüll-Lager Asse II weitergehen? Heike und Jürgen Wiegel vom Arbeitskreis GSF rückten dieses brennende Thema vor Experten und Interessenten in der Wolfenbütteler SPD-Geschäftsstelle in den Mittelpunkt. Mit dabei: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Er erhielt einen Fragenkatalog.
Für die SPD diskutierten Landratskandidat Jörg Röhmann, Landtagsmitglied Dörte Weddige-Degenhard, Kreistagsmitglied Claudia Burgdorf, Regina Bollmeier, Bewerberin für das Bürgermeisteramt in der Samtgemeinde Asse und Elke Oberg vom Ortsverband Kissenbrück/Denkte mit. Für Fachfragen stand Experte Henning Rösel, Vizepräsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BFS) aus Salzgitter, Rede und Antwort.
1965 erwarb die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) im Auftrag der Bundesrepublik das ehemalige Salzbergwerk, um dort Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Endlagerung radioaktiver Abfälle durchzuführen. Von 1967 bis 1978 wurden rund 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall eingelagert. Man war seinerzeit von einem trockenen und standsicheren Bergwerk ausgegangen.
Das stellte sich als Irrtum heraus. Seit 1991 kommt es zu ungeklärten Laugenzuflüssen. Das Grubengebäude ist instabil. Die genaue Herkunft ist nicht aufklärbar, der Zufluss nicht zu stoppen. Durch das Volllaufen der Grube könnten auch die Lagerkammern mit Salzlösung gefüllt und Radionuklide in Lösung gehen. "Ich verstehe, dass Skepsis da ist. Die Nachflüsse kommen, obwohl gesagt wurde, dass Asse II sicher ist", sagte Gabriel.
"Die Zuständigkeit für Asse II liegt jedoch nicht beim Bundesministerium für Umwelt, sondern beim Bundesministerium für Forschung und Bildung", betonte der Bundesumweltminister. Und in den Zuständigkeitsbereich seiner Ministerkollegin Annette Schavan (CDU) wolle er sich nicht einmischen.
Auch Rösel gab zu bedenken, dass seine Einschätzungen nicht auf tieferen Einblicken in Unterlagen über Asse II basieren. Fakt sei, so Rösel, dass die Chancen einer Rückholaktion "gegen Null" gehen. Die Gründe: Der Zustand und das Alter der Anlage, deren Südflanke Rösel als "instabil" bezeichnete, bringen Probleme in Sachen Arbeitssicherheit mit sich. Außerdem könnten für Arbeiter Strahlenschutzprobleme entstehen.
Einig waren sich alle Beteiligten, dass der Zeitdruck bei der Asse sehr hoch ist. "2013 bekommen wir Standfestigkeitsprobleme. Das Lager ist ein Sicherheitsrisiko ersten Ranges", betonte Gabriel.
"Laden sie die zuständige Ministerin Schavan zu Gesprächen ein", schlug der Bundesumweltminister Heike Wiegel vor. Dabei könne es um mögliche Alternativen für das gegenwärtige Einlagerungskonzept für Asse II gehen. Heike Wiegel sieht im möglichen Kontakt zu Schavan gute Perspektiven. "Ich denke, so kommen wir weiter."













