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13. Februar 2012
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Zwischen Fürsorge und Ängsten

Sabine und Uwe Wiehe nahmen vor 15 Jahren ein Kind zur Dauerpflege auf und adoptierten es später

Von Christine Pelz

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WOLFENBÜTTEL.  Zwei Kinder gehörten immer schon zur Lebensplanung von Sabine und Uwe Wiehe. Die Natur aber versagte ihnen diesen Wunsch, nachdem ihr Sohn Tim geboren war. Also entschloss sich das Paar, ein Kind zu adoptieren.

Es meldete sich beim Jugendamt für eine Adoption und für die Dauerpflege eines Kindes an. Letzteres klappte nach zweieinhalb Jahren: Die fünfeinhalbmonatige Dominique kam in die Familie.

Aus einem Krankenhaus holten die Wiehes das kleine Mädchen ab, wo es in den Wochen zuvor aufgepäppelt worden war. "Die Mutter hatte das Kind stark vernachlässigt", erinnert sich Sabine Wiehe. Eineinhalb Jahre zeigte es Verhaltensauffälligkeiten, war in der Entwicklung verzögert.

"Sie kaute alles an, versteckte Essen, hatte Hautprobleme und war unterernährt." Neun Monate schlief die Kleine nur auf dem Bauch der Mutter. "Das war wie eine nachgeholte Schwangerschaft", sagt die 46-Jährige.

Alle Probleme aber meisterten die Wiehes gerne, denn die Liebe zu diesem Kind stand im Vordergrund. Allein die Angst, Dominique wieder der leiblichen Mutter zurückgeben zu müssen, machte sie fast fünf Jahre mürbe. "Die Rechte der Pflegeeltern sind einfach zu gering", sagt die studierte Sozialpädagogin, "man soll das Kind wie ein eigenes behandeln und sich doch emotional abgrenzen, weil es ja nur zur Pflege in der Familie ist. Das geht einfach nicht." Schließlich stimmte die leibliche Mutter aber der Adoption zu.

Dominique wusste über ihre besondere Situation immer altersgerecht Bescheid: "Wir hatten ihr gesagt, dass Tim aus dem Bauch der Mami gekommen ist und sie aus dem Krankenhaus." In der Pubertät stellte das Mädchen dennoch die Frage nach ihren Wurzeln. Die Wiehes arrangierten ein Treffen mit der Mutter. Doch Dominique blieb ruhig, sagte kaum etwas. Auch hinterher sprach sie nicht über die Begegnung. "Ich glaube, da war ein Traumgebilde zusammengebrochen."

Dennoch geht die Adoptivtochter, die einem leiblichen Kind rechtlich gleichgestellt ist, offen mit ihrer Vergangenheit um. "In der Schule hat sie sogar stolz erzählt, adoptiert worden zu sein", sagt Uwe Wiehe.

Das Paar ist sich sicher, alles richtig gemacht zu haben und appelliert dennoch an alle Adoptionswilligen, sich einen solchen Schritt gründlich zu überlegen: "Die wenigsten leiblichen Eltern stimmen am Ende einer Adoption zu, auch wir hatten die Angst über Jahre hinweg." Der leiblichen Mutter Dominiques sind sie dankbar, dass sie ihrer heute 15-jährigen Tochter eine sichere Zukunft ermöglicht hat. Und wenn ein Außenstehender dann sogar eine Ähnlichkeit zwischen Tim und Dominique feststellt, lächeln die Wiehes ganz stolz.

Samstag, 12.08.2006
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/5765111/menuid/2164
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