Stadt gründet eine eigene Fahrschule
Feuerwehr-Nachwuchs braucht Zusatz-Lizenz für große Fahrzeuge Kommunen haben rechtzeitig reagiert
WOLFENBÜTTEL. Die Stadt Wolfenbüttel gründet eine kommunale Fahrschule allerdings nur für Feuerwehrleute. Als Fahrzeug hat sie für 105 000 Euro einen neuen Gerätewagen mit Aufbauten und Doppelbedienung wie in einem Fahrschulwagen bestellt.
Die Stadt reagiert mit dieser eigenen Fahrschule auf die Einführung des EU-Führerscheins. Weil es die Führerscheinklasse 3, die das Fahren von Fahrzeugen, die schwerer als 3,5 Tonnen sind, erlaubt, nicht mehr gibt, müssen junge Feuerwehrleute den Führerschein der Klasse C oder sogar Klasse CE (Lastwagen mit Anhänger) erwerben, um die schweren Feuerwehrfahrzeuge fahren zu können.
Die Stadt hatte relativ schnell auf diese neue EU-Regelung reagiert und junge Feuerwehrleute in Salzgitter bei der Berufsfeuerwehr ausbilden lassen. Das geht nun nicht mehr, da Salzgitter seine Ausbildungskapazitäten selbst benötigt.
"Wir haben das durchgerechnet. Und wir haben festgestellt, dass sich eine eigene Fahrschule rechnet", erklärte Bürgeramtsleiter Wolfgang Scheider. Von Vorteil ist für die Wolfenbütteler Wehr allerdings auch, dass sie fünf Fahrschullehrer in ihren eigenen Reihen hat. Und ein neuer Gerätewagen musste sowieso angeschafft werden.
Wenn im Spätsommer der neue fahrschulgerechte Gerätewagen eintrifft, kann die Ausbildung von jungen Feuerwehrleuten sofort beginnen. Durchschnittlich acht bis neun Personen sollen je Jahr von den insgesamt elf Ortswehren Wolfenbüttels ausgebildet werden. Später kommen dann noch Fortbildungen hinzu.
Bisher musste die Stadt für jeden Lastwagenführerschein etwa 3500 Euro bezahlen. Künftig rechnet sie mit Kosten von etwa 1300 Euro, so Scheider. Die Mitglieder der Feuerwehren, die den Führerschein C bei der kommunalen Fahrschule erwerben, müssen sich gleichzeitig verpflichten, mindestens fünf Jahre bei der Feuerwehr weiter Dienst zu machen. Ansonsten müssen sie die Kosten anteilig zurückerstatten.
Kreisbrandmeister Karl-Heinrich Schwieger begrüßt diesen Wolfenbütteler Sonderweg. Er kann sich ebenso wie Bürgeramtsleiter Scheider vorstellen, später auch Feuerwehrmitglieder aus anderen Teilen des Landkreises bei der kommunalen Fahrschule in Wolfenbüttel auszubilden.
Zunächst soll aber der Wolfenbütteler Bedarf gedeckt werden. Engpässe im Gebiet des Landkreis sieht Schwieger aufgrund der neuen -EU-Gesetzgebung nicht: "Wir haben keinen akuten Mangel an Fahrern bei den Feuerwehren", sagt er.
Alle kommunalen Gebietskörperschaften hätten eine vorausschauende Politik betrieben und rechtzeitig Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen in Zusammenarbeit mit privaten Fahrschulen oder mit Berufsfeuerwehren. Der Kreisbrandmeister beklagte, dass die Kommunen völlig allein gelassen wurden bei der Umsetzung der neuen EU-Richtlinie: "Die Kommunen müssen die Kosten wieder allein übernehmen."













