Je mehr Verformungen, desto größer die Gefahr
Asse II: Kritik am Herleitungsbericht für Schließungskonzept
SCHÖPPENSTEDT. Zwei Themen standen im Mittelpunkt des Informationsabends des Landkreises zur "Schließung des Forschungsbergwerks Asse II" in der Schöppenstedter Eulenspiegelhalle: der Fund und der Transport der mit Cäsium 137 kontaminierten Lauge auf die 950-Meter-Sohle sowie die Themen Optionenvergleich und Herleitungsbericht für das Schließungskonzept.
Zur Lauge: Landrat Jörg Röhmann sprach von einer "bedrohlichen und Besorgnis erregenden Entwicklung", Bundesumweltminister Sigmar Gabriel kündigte per Presse und Niedersachsens Umwelt-Staatssekretär Stefan Birkner direkt vor Ort an, dass die Vorgänge um die Lauge genau untersucht werden. Heinz-Jörg Haury vom Asse-Betreiber Helmholtz-Zentrum München bezeichnete die Lauge als ungefährlich für die Mitarbeiter des Bergwerks und die Umwelt.
Zum Optionenvergleich/Herleitungsbericht: Marktscheider Gerd Hensel, der den erkrankten Bergwerksleiter Günther Kappei vertrat, ging nicht auf geprüfte Schließungsvarianten ein, sondern erläuterte nur die Rahmenbedingungen für das gewählte Schließungskonzept mit Einbringen eines Schutzfluids sowie dem Bau von Strömungsbarrieren (erfolgt teilweise bereits). Als Rahmenbedingungen nannte er:
die Entfestigung der Tragelemente des Bergwerks,
der tägliche Salzlösungszutritt,
eine mögliche Zersetzung des Carnallitits (einem Bestandteil des Kalisalzes.
Kritik am Schließungskonzept äußerte Ulrich Kleemann, der aus einer Klausur der vom Asse-Begleitgremium beauftragten Arbeitsgruppe Optionenvergleich berichtete: "Die Aussagen des Herleitungsberichts sind nicht nachvollziehbar." Er kritisierte die Darstellung möglicher Stilllegungen.
Die Arbeitsgruppe Optionenvergleich wartet nun auf weitere Gutachten, die derzeit erstellt werden zur Rückholung des mittelradioaktiven Abfalls und vor allem zur Verbesserung der Standfestigkeit des Bergwerks. Gutachter Peter Jordan deutete bereits an, dass er Möglichkeiten sehe, die Steifigkeit der Lagerkammern zu erhöhen. Er erläuterte auch die große Gefahr für die Asse: "Je mehr Verformungen auftreten, desto mehr Lauge kann zutreten." Mit einer Erhöhung der Verformungen wird ab 2014 gerechnet, so das Leipziger Standfestigkeitsgutachten.
Für Verwunderung im Publikum sorgte die Aussage von Joachim Bluth vom Niedersächsischen Umweltministerium über das Landesbergamt, das das Schließungskonzept bewerten muss: "Die Behörde ist völlig verwirrt. Sie weiß nicht, worüber sie entscheiden soll, da wahrscheinlich das Schließungskonzept modifiziert werden muss."
Offen für Alternativen der Arbeitsgruppe Optionenvergleich zeigte sich Gerd Hensel vom Helmholtz-Zentrum: "Wenn es sinnvolle Anregungen zum Schließungskonzept gibt, dann nehmen wir sie gerne auf."













