Museumstreit: Abgeordnete sehen Chancen und Risiken
Zukunft der Wolfenbütteler Abteilung ist nach wie vor ungewiss
WOLFENBÜTTEL. Ist der Fortbestand der Wolfenbütteler Abteilung des Landesmuseums gefährdet? Die Politik ist uneins: Während CDU und FDP die Strukturdebatte als Chance begreifen, sehen SPD und Linke vor allem Risiken.
Unsere Zeitung hat hiesige Landtagsabgeordnete gefragt, wie sie zu den Plänen von Kulturminister Lutz Stratmann stehen. Dieser will das komplette Braunschweigische Landesmuseum einem neuen Institut in Hannover unterstellen (wir berichteten). Neuer Schwerpunkt des Hauses soll die Archäologie werden. Diese Abteilung ist gegenwärtig in Wolfenbüttel ansässig.
Bürgermeister Thomas Pink geht weiterhin fest davon aus, "dass der Bestand hier gesichert ist". Stratmann habe ihm persönlich zugesichert, dass es für Wolfenbüttel keine Veränderungen gebe. Pink: "Andernfalls wäre die Enttäuschung sehr groß und würde entsprechende Reaktionen von Rat und Verwaltung nach sich ziehen." Der Bürgermeister: "Eine Einschränkung beziehungsweise Verlagerung würden wir nicht widerstandslos mittragen."
Initiiert hatte das Gespräch mit dem Minister der Abgeordnete Frank Oesterhelweg (CDU). Er sagt: "Ich sehe für uns hervorragende Perspektiven, wenn die Themen Archäologie und Mittelalter in Braunschweig federführend betreut und bearbeitet werden. Aus meiner Sicht muss der Standort Wolfenbüttel angesichts dieser neuen Aufgabenstellungen und der Bedeutung unserer Stadt in der Braunschweigischen Landesgeschichte aufgewertet werden." Dafür wolle er sich einsetzen.
Eine Anfrage an die Landesregierung bereitet unterdessen Dörthe Weddige-Degenhard vor. Die Pläne des Ministers bezeichnet sie als "völlig unausgegoren". Die SPD-Politikerin fragt sich: "Wie passt die Zusage von Ministerpräsident Wulff zu einem Museumsneubau in Schöningen mit Zentralisierungsbestrebungen auf anderer Ebene zusammen und das bei knappen Mitteln?" Laut Dörthe Weddige-Degenhard müsse archäologische Forschung vor Ort präsentiert werden und für Schulklassen gut erreichbar sein. "Das gelingt hervorragend in der Kanzleistraße mit einem aktiven museumspädagogischen Ansatz."
Björn Försterling (FDP) ist derweil der Ansicht, dass die Strukturdebatte nicht als Gefahr, sondern als Chance für die gesamte Region begriffen werden sollte "auch und besonders für Wolfenbüttel". Er kann sich vorstellen, in der ehemaligen Herzoglichen Kanzlei eine "Ausstellung zur Kultur und Geschichte aus der Zeit der Herzöge mit hochwertiger Kunst zu präsentieren". Dies würde das kulturelle Profil der Stadt weiter schärfen.
In Sorge um den Museumsstandort ist indes Victor Perli (Die Linke). Während einer Sondersitzung des Kulturausschusses hatte er Staatssekretär Josef Lange zu den Veränderungen für Wolfenbüttel befragt. Laut Perli seien dessen Antworten vage geblieben. Der Abgeordnete fürchtet: "Es wurde von sinkenden Besucherzahlen gesprochen. Im schlimmsten Fall könnte der Standort geschlossen werden." Die hiesigen Ratsgremien und Kulturinstitutionen sollten sich deshalb schnell in das Thema einschalten.













