Wolfsburg, bunt statt braun
Heute vorerst letzte Mahnwache gegen Rassismus und Rechtsradikalismus – Willi Dörr: Etappensieg errungen
Heute findet die vorerst letzte Mahnwache des Schulterschlusses gegen Rassismus und Rechtsextremismus statt. Fürs Erste sind die Wolfsburger Demokraten am Ziel: Die Neonazis haben das Möbelhaus Alsdorff als Standort aufgegeben.
2007 hatte sich der demokratische Schulterschluss erstmals zur bevorstehenden Landtagswahl zusammengefunden, nachdem die NPD angekündigt hatte, Niedersachsen zu ihrem Schwerpunktland zu machen. Die Absicht haben die Wählerinnen und Wähler auch in Wolfsburg vereitelt.
Als in diesem Jahr der inzwischen gestorbene NPD-Vize-Chef Joachim Rieger ankündigte, in Wolfsburg ein Museum zur Geschichte des KdF-Wagens zu gründen, standen die Demokraten der Stadt wieder Schulter an Schulter, um die Neonazis zu vertreiben.
Zehn Mahnwachen hat es seit dem Sommer gegeben. "Wir haben reagiert, aber nicht hysterisch reagiert", bilanziert Willi Dörr, IG Metall-Pressesprecher und Mitinitiator des Schulterschlusses.
Rund 3000 Menschen haben an diesen Mahnwachen gegen Rassismus und Rechtsextremismus teilgenommen, zu denen jeweils wenigstens ein prominenter Wolfsburger sprach. Dazu gehörten Oberbürgermeister Rolf Schnellecke, Superintendent Hans-Joachim Lenke, Prälat Heinrich Günther, Imam Mohamed Ibrahim, Vertreter der Wolfsburger Ratsfraktionen, der Gewerkschaften und viele andere. Alle sprachen unter dem Motto: "Wir sind Wolfsburg, bunt statt braun".
Dass die Neonazis Wolfsburg verlassen haben, begründet sich im Tod ihres Anführers. Die Inhaberfamilie des Möbelhauses ließ ankündigen, ihre Immobilie nicht mehr an Neonazis verkaufen zu wollen. An dieser Entscheidung dürften die Wolfsburger Demokraten ihren Anteil haben. "Wir haben einen Etappensieg errungen. Wir haben gesagt, dass wir bleiben, bis die Neonazis raus sind. Das ist erreicht. Die Aktivitäten des Schulterschlusses werden jetzt zunächst ruhen", sagt Willi Dörr. "Bei akuter Aktualität sind wir aber wieder da", kündigt er an.
Der Schulterschluss werde jedoch im Hintergrund arbeiten und für Prävention und Aufklärungsarbeit beispielsweise in Schulen sorgen. "Wir erarbeiten ein Nachhaltigkeitskonzept", sagt Dörr.
Heute findet die vorerst letzte Mahnwache von 11 Uhr an auf dem Hugo-Bork-Platz statt. Es werden Superintendent Hans-Joachim Lenke und Willi Dörr sprechen.











