Auktionator, Konsul, Vorstand
Richter sagt gegen Immobilienbetrüger aus Experte: Doktortitel sind gekauft
WOLFSBURG. Es war ein interessanter zweiter Verhandlungstag am Amtsgericht. Ein Richter aus Hildesheim und ein Experte der Kultusministerkonferenz in Bonn sagten gestern Vormittag als Zeugen im Verfahren gegen den umtriebigen Wolfsburger aus, der schon im vergangenen Jahr wegen Immobilienbetruges und anderer Taten zu vier Jahren Haft verurteilt wurde.
Die Zeugen sollten zur Klärung der Frage beitragen, ob der 40-Jährige in dubiosen Immobiliengeschäften zumindest seinen Doktortitel zu Recht trug. Der Richter des Landgerichts Hildesheim, der den Wolfsburger 2009 verurteilt hatte, erklärte: "Das Gericht hatte nie einen Zweifel, dass die Titel nicht echt waren." Er habe in seiner langen Laufbahn noch keine Persönlichkeit erlebt, auf die der Begriff "Hochstapler" besser gepasst hätte als auf den Wolfsburger. Dieser habe sich in den vergangenen Jahren immer wieder größer gemacht, als er sei: So habe er sich bei verschiedenen Gelegenheiten als Grundstücksauktionator, Mitglied der Deutsch-Italienischen Handelsgesellschaft, ehemaliger Mitarbeiter des Wolfsburger Rechtsamtes, Hochschullehrer, Vorstandsmitglied bei Volkswagen und Generalkonsul der Vereinten Nationen ausgegeben.
Dass die amerikanischen Doktortitel des Betrügers, verliehen von einer "Universal Life Church" sowie der "Grand Union University", null und nichtig sind, bestätigte der sachverständige Zeuge. Er erläuterte, dass diese "Titelmühlen" weder in den USA noch in Deutschland anerkannt seien. Jeder könne sich dort einen Doktortitel kaufen. Eine der ausstellenden Stellen sei als Briefkastenfirma mit Postadresse in London bekannt.
Der Angeklagte sagte in der gestrigen Verhandlung, die wieder vor großem Publikum stattfand, so gut wie gar nichts. Sein Verteidiger lehnte jedoch die Verlesung einiger Dokumente mit der Begründung ab, er habe keine Akteneinsicht erhalten. Der Staatsanwalt warf der Verteidigung daraufhin vor, das Verfahren nur verzögern zu wollen. Was folgte, war ein Wortgefecht, das die Richterin erst mit energischen Schlägen auf ihr Pult beenden konnte. Am kommenden Freitag geht die Verhandlung weiter.













