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12. Februar 2012
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Gefühlsstark und anspruchsvoll 

Goya in doppelter Besetzung und in zweifacher Entwicklungsphase im Theater

Von Andreas Stolz

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MITTE-WEST.  Dieser Goya ist ein Suchender. Was er sucht, scheint er nicht zu wissen. Die Erkenntnis kommt spät. Sie ist erst nach einem von Turbulenzen und Ausschweifungen, andererseits von Anpassung an spanisch-katholisches, höfisches Zeremoniell geprägten Leben da. Und heißt: Die letzte Freiheit, die dem Menschen bleibt, liegt in einem "Nein".

Vera Oelschlegels Theaterfassung nach dem Roman von Lion Feuchtwanger bleibt der historischen Figur des spanischen Malers nahe. Die Inszenierung des Stoffs mit dem Ensemble vom Theater des Ostens Berlin durch Vera Oelschlegel ist gekennzeichnet durch extensives Schauspiel, kurze Szenen und den scharfen Blick auf die Figuren.

Den Francisco Goya lässt diese Inszenierung doppelt erscheinen: Als jungen, vitalen, exzessiven Mann und als "anderes Ich", als alter ego, das gereift aus der Rückschau Szenen aus dem eigenen Leben kommentiert. Oder mit dem jungen Goya parallel agiert und mit ihm in einen Dialog tritt.

Dieter Wien als der Alte und Oliver Trautwein als der Junge zeichneten klare charakterliche Konturen und gaben Goyas Gefühlen intensiven Ausdruck. Dessen Wünsche, Verhalten und Zweifel kristallisierten sich deutlich heraus und wurden gedanklich nachvollziehbar. Trautwein entwickelte sich mehr und mehr zu einem Paradebeispiel des kraftvollen Frauen-Eroberers, Wien kehrte in ausgezeichneter Manier die ruhigere, philosophische und politische Seite des 1. Hofmalers von König Carlos IV. hervor.

In der Rolle von Königin Luisa, der – trotz Königs – wahren Macht(haberin) im barocken Spanien, glänzte Vera Oelschlegel. Große Präsenz und sehr gutes Schauspiel bis in die kleinsten darstellerischen Details zeichneten sie aus.

Die Szenen wechselten in ihrer Atmosphäre zwischen prallem, genussvollem Leben und beängstigender Bedrückung – Letztere beschlich den Zuschauer speziell bei den Auftritten des Inquisitors vom Heiligen Offizium – überzeugend gespielt von Matti Wien. In die Schar der guten Schauspieler reihten sich Eckhard Strehle, Sascha Gluth, Heidrun Schweda, Mathias Kopetzki, Sebastian Fischer und Natalia Herrera-Köhler ein. Sie gaben ihren Figuren ein deutliches Profil.

"Goya" am Sonntagabend im Wolfsburger Theater – das war keine leicht dahin plätschernde Unterhaltungskost, das war gefühlsstarkes, anspruchsvolles Schauspiel mit einem Top-Ensemble.

Dienstag, 02.02.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11652735/menuid/2165
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