"Hatte auf richtige Ehe gehofft"
Dritter Prozesstag im "Schleuser-Prozess" Zeuge sagt zu Hochzeits-Geschäften aus
WOLFSBURG. Weil sich viele Zeugen im "Schleuser-Prozess" vor dem Landgericht Braunschweig (WN berichteten) nicht mehr an Vorgänge von vor bis zu acht Jahren erinnern, werden oft alte Vernehmungsprotokolle herangezogen. Ein Zeuge hatte gestern aber noch viele Erlebnisse parat und belastete so den Hauptbeschuldigten (47) schwer.
Nachdem er 2003 dem Angeklagten offenbart habe, dass er unter Geldsorgen leide, soll dieser ihm 3000 Euro angeboten haben, wenn er eine Scheinehe mit einer Nigerianerin eingehen würde. "Das kam mir entgegen, und ich hatte gehofft, dass sich vielleicht eine richtige Ehe entwickeln könnte."
Der Angeklagte habe ihm die Frau vorgestellt und das Geld für notwendige Dokumente ausgelegt. Der Zeuge und die Frau seien ins schwedische Malmö gereist, weil dort die Formalitäten bei einer Hochzeit nicht so streng wie in Deutschland gewesen wären.
Laut dem Zeugen soll ihm die Frau ein Handy und Kleidung geschenkt sowie den Besuch eines Schnellrestaurants bezahlt haben Geld habe er allerdings nie gesehen.
Nachdem er auf dem Standesamt in Malmö alle notwendigen Papiere unterzeichnet habe, sei er noch vor Ablauf der Bearbeitungsfrist abgereist, angeblich da ihm die -Angelegenheit zu stressig geworden sei.
Laut Ermittlungen soll der Angeklagte daraufhin einen anderen Mann überredet haben, unter dem Namen des Zeugen die Nigerianerin in Schweden zu heiraten.
Der Leiter der damaligen Wolfsburger Ermittlungsgruppe "Schleuser" wurden ebenfalls gehört. "Der Angeklagte handelte nicht als Gutmensch, sondern wollte Geld verdienen", vermutet der Hauptkommissar. Er berichtete, er sei im Zuge der Ermittlungen anonym beim Polizeichef und beim Landtag angezeigt worden, weil er bei der Vernehmung einer Afrikanerin von dieser verlangt habe, sich auszuziehen ein Vorwurf, der vollkommen aus der Luft gegriffen war.
Der Polizist konnte nicht belegen, dass hinter der Anzeige der Angeklagte steckte. "Er ist aber geschickt darin, Behörden zu beschäftigen und besitzt generell eine gewisse Bauernschläue", lautete seine Einschätzung.











