Gestresste Arzthelferin fälscht Rezepte
Bewährungsstrafe für 28-jährige Wolfsburgerin Beruhigungsmittel machten süchtig
STADTMITTE. Weil sie wegen ihrer Medikamentensucht Rezepte fälschte, ist eine ehemalige Arzthelferin aus Wolfsburg gestern zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Richterin am Amtsgericht erlegte der 28-Jährigen auf, den der Krankenkasse entstandenen Schaden zurückzuzahlen.
Die Wolfsburgerin hatte sich von März 2006 bis Juni 2007 in der Augenarztpraxis, in der sie damals arbeitete, mindestens 158 ärztliche Rezepte für Schlafmittel und Anti-Depressiva ausgedruckt. Die Unterschrift des Arztes fälschte sie und reichte die Rezepte dann in verschiedenen Apotheken ein.
Vor Gericht legte die 28-Jährige gestern ein umfassendes Geständnis ab. Sie berichtete, dass sie bei der Arbeit unter erheblichem Stress gestanden habe. Das Verhältnis zu ihrem Chef sei alles andere als gut gewesen. "Den Frust und den Ärger habe ich mit nach Hause genommen", erzählte sie. Die Situation sei für sie so schlimm gewesen, dass sie in vielen Nächten nur zwei Stunden geschlafen habe.
Als ihre Versuche, eine Stelle in einer anderen Praxis zu finden, scheiterten, ließ sich die Frau Beruhigungsmittel vom Hausarzt verschreiben. "Ich sah keinen anderen Ausweg", erinnerte sie sich. Mit der Zeit stieg der Bedarf. Die Wolfsburgerin wurde süchtig, brauchte jeden zweiten Tag ein Rezept. So oft schaffte sie es nicht zum Hausarzt da verschrieb sie sich die Medikamente selbst.
"Es war ein Teufelskreis, aus dem die Angeklagte nicht mehr herausgekommen ist", stellte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer fest. Er forderte eine elfmonatige Bewährungsstrafe wegen Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug. Das Urteil fiel etwas milder aus. Die Arzthelferin arbeitet inzwischen als Fahrerin und hat ihre Sucht seit Jahren überwunden.













