"Nur die Spitze des Eisberges"
Pädagoge muss wegen Missbrauchs in Haft – Staatsanwaltschaft hat Hinweise auf weitere Zudringlichkeiten
Der gestern wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen (17) verurteilte ehemalige Sozialpädagoge der Oskar-Kämmer-Schule wies in der Verhandlung alle Schuld von sich.
Als "extrem selbstgefällig" bezeichnete die Staatsanwältin die Art, wie der Braunschweiger vor Gericht auftrat. Er ließ nichts unversucht, um Intelligenz, Realitätssinn und Glaubwürdigkeit des Opfers und einer Zeugin (19) in Zweifel zu ziehen.
Dabei war es der Sozialpädagoge, der bei der Arbeit aus dem Ruder lief. Nicht nur, dass er den ihm anvertrauten Teilnehmern eines Berufsvorbereitungskurses seine Handynummer gab – ein laut Aussage der Schulleiterin höchst unprofessionelles Verhalten. Der 51-Jährige nutzte seine Machtposition nach Ansicht des Gerichtes auch aus, um sich seinem späteren Opfer immer mehr zu nähern.
Er schrieb dem Mädchen Kurzmitteilungen, bat es ständig zu Einzelgesprächen, berührte es mal am Arm, mal am Bein. Bei einer Entspannungsübung kam es zu einem der entscheidenden Vorfälle: Der Sozialpädagoge fasste der Schülerin an Po, Bauch und Brüste. Und er beließ es nicht dabei: Drei Tage später küsste der 51-Jährige das nach eigenen Angaben völlig schockierte Mädchen. Die Staatsanwältin betonte, diese Vorfälle seien wahrscheinlich "nur die Spitze des Eisberges". Bei der Polizei haben weitere Mädchen berichtet, der Pädagoge habe sie unsittlich berührt.
Gründe für eine mildere Strafe als die von der Staatsanwaltschaft beantragten anderthalb Jahre Haft fand das Schöffengericht gestern kaum. Im Gegenteil: Der Mann war bereits einschlägig vorbestraft Bei der Oskar-Kämmer-Schule bewarb er sich mit einem gefälschten Lebenslauf (WN berichteten exklusiv). Bei seinem letztem Arbeitgeber, der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA), wusste man zwar von einer Haftstrafe wegen Raubes, aber nichts von den anderen Haftgründen: Vergewaltigung und versuchtem Mord. Auch das laufende Verfahren wegen des sexuellen Missbrauchs seiner 17-jährigen Schutzbefohlenen verschwieg der Sozialpädagoge. Den Job bei der DAA verlor er, nachdem sein Fall durch die Medien bekannt geworden war.













