Frauen-Hass und Rachefantasien
Staatsanwältin: Therapie hat bei verurteiltem Sozialpädagogen nicht viel gebracht
WOLFSBURG. Das Missbrauchsurteil gegen den 51-jährigen Sozialpädagogen, der an der Oskar-Kämmer-Schule eine 17-jährige Schülerin sexuell missbraucht hat, nährt Zweifel an den Resozialisierungschancen von Sexualstraftätern.
In Bezug auf den Sozialpädagogen ließ die Staatsanwältin in der Verhandlung am Mittwoch keinen Zweifel daran, dass dieser sich ihrer Meinung nach trotz mehr als sieben Jahren Haft und zweijähriger Therapie nicht geändert hat. "Ich habe das Gefühl, dass die vielen psychologischen Gespräche nicht das Entscheidende gebracht haben", sagte die Staatsanwältin. In seiner Arbeit habe der Pädagoge das "ideale Tummelfeld" gefunden, um Macht über deutlich unterlegene Mädchen und Frauen auszuüben.
Zur Untermauerung zitierte sie aus der Urteilsbegründung des Landgerichts Hildesheim, das den Mann 1986 zu elf Jahren Haft verurteilte, weil er am 18. April 1985 eine Frau ausgeraubt, vergewaltigt und sie zu töten versucht hatte. Ein Sachverständiger hatte bei dem damals 27-Jährigen einen gravierenden Minderwertigkeitskomplex, eine hochgradige Kontakthemmung und die Unfähigkeit, dauerhafte Beziehungen zu Frauen einzugehen, diagnostiziert. Die Folge: Frauen-Hass, gepaart mit Rachefantasien.
Der Hannoveraner Kriminologe Professor Christian Pfeiffer wollte gestern zwar kein Interview zu dem Fall geben. Spontan sagte er aber, er könne nicht verstehen, dass der Sozialpädagoge nach seiner schweren Straftat überhaupt mit Jugendlichen arbeiten durfte. Fehlgeleitete sexuelle Orientierungen seien grundsätzlich schwer zu korrigieren.
Das Jugendschöffengericht verhängte am Mittwoch neben einer 15-monatigen Haftstrafe ein zweijähriges Berufsverbot. "Sie haben Ihre Tätigkeit ausgenutzt, um sich jungen Frauen zu nähern", so die Vorsitzende Richterin.













