Handwerkerschaft geht in die Offensive
Abwarten nach der Razzia Duwe: "Sind uns keiner Schuld bewusst" Zoll: Millionenschaden durch Zeitarbeiter
Die Kreishandwerkerschaft ist dafür bekannt, gegen Schwarzarbeit vorzugehen. Jetzt steht die Organisation selbst im Verdacht, illegal Bauarbeiter beschäftigt zu haben. Nach der Razzia am Donnerstag gingen die Verantwortlichen gestern in die Offensive: "Wir sind uns keiner Schuld bewusst", sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Duwe.
Wie berichtet, standen Donnerstag zehn Mitarbeiter des Hauptzollamtes vor den Türen der Kreishandwerkerschaft in Heßlingen und Detmerode. Der Vorwurf: Die Kreishandwerkerschaft hat Arbeiter für den Bau an seine Mitgliedsfirmen ausgeliehen als Zeitarbeiter in Spitzenzeiten. Rund zwei Dutzend Maurer seien somit bei der Handwerkerschaft direkt angestellt gewesen mit befristeten und unbefristeten Verträgen. "Das geschah als Service für unsere Mitglieder und auf keinen Fall gewerblich. Im Gegenteil: Wir haben damit sogar Verluste eingefahren", erklärt Rolf Wolters, Vorsitzender der Handwerkerschaft. Wegen der finanziellen Verluste habe die Organisation ohnehin überlegt, diesen Service, den es seit 1998 gibt, einzustellen.
Dass Kreishandwerkerschaften Zeitarbeiter beschäftigen, sei nicht ungewöhnlich. Dies werde auch in Wolfsburg über eine Tochterfirma namens Zeitarbeit Handwerk praktiziert, wo Lackierer oder Kfz-Mechaniker angestellt seien. Jedoch: Die Gesetzeslage sieht einen Verleih von Arbeitern für den Bau nicht vor. "Bislang hatte niemand darauf hingewiesen, dass unsere Praxis nicht legal wäre", sagt Duwe. Auch das Landesarbeitsamt, die Handwerkskammer und das Finanzamt hätten sich bislang nicht daran gestört.
Durch einen Hinweis wurde nun der Zoll auf die Handwerkerschaft aufmerksam und beschlagnahmte 100 Aktenordner. Angeblich sei durch die Zeitarbeitsvermittlung ein Millionenschaden entstanden. "Diesen Schaden möchte ich erst sehen", sagt Wolters. Montag soll ein Anwalt eingeschaltet werden.













