Widerspenstige Innung verzögert die Rettung
Krisensitzung der Kreishandwerkerschaft: Insolvenz ist nur durch Sonderopfer der Betriebe zu verhindern
Es steht noch schlimmer um die Kreishandwerkerschaft, als ohnehin schon befürchtet. Wenn die acht Mitglieds-Innungen bis Montag nicht bis zu 100 000 Euro zuschießen, dann muss die Selbstorganisation der Wolfsburger Handwerker Insolvenz anmelden.
Am Mittwoch gab es eine hoch emotionale Krisensitzung im Vorsfelder Schützenhof. Dort stellte Thomas Paul von einer Kölner Beratungsfirma ein Konsolidierungs- und Sanierungskonzept vor. Die aktuelle Situation ist beängstigend: Die Kreishandwerkerschaft hat 2005 (200 000 Euro) und im ersten Halbjahr 2006 (190 000 Euro) massive Verluste angehäuft.
Als Sofortmaßnahme sollen die Mitgliedsbetriebe gestaffelt zwischen 250 und 750 Euro zuschießen. Außerdem sieht der Sanierungsplan Einsparungen von monatlich 12 000 Euro vor. Diese Summe soll mindestens zur Hälfte bei den Personalkosten eingetrieben werden. Allerdings gibt es ein großes Problem: Eine der acht Innungen will nicht mitmachen. 19 von 21 anwesenden Mitgliedern aus der Heizungsbauer- und Sanitärbranche stimmten gegen das Sonder-Opfer.
Bis Montag soll jetzt Überzeugungsarbeit geleistet werden. "Ich appelliere an die Vernunft der Mitglieder. Hier geht es auch um die Zukunft junger Menschen", verweist Vorstandsmitglied Uta Wetzel auf die Ausbildungsleistungen des Handwerks. Wenn die Selbsorganisation krachen gehen sollte, müssten Aus- und Fortbildung künftig in Braunschweig oder Lüneburg stattfinden. Günstiger würde das für die Betriebe gewiss nicht wenn sie dann überhaupt noch weiter ausbilden wollen.
Als belastender Faktor hat sich der Neubau des Handwerkerhauses erwiesen. Zudem sind die ursprünglich kalkulierten Einnahmen aus Verträgen mit Bildungsträgern eingebrochen. Schließlich belastet auch die zuletzt durchwachsene Auftragslage die Innungsbetriebe.
Karl-Heinz Duwe, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, wollte die Hiobsbotschaften gestern nicht kommentieren. Fakt ist, dass die Handwerkerschaft ihren eigenen Laden vorerst selbst in Ordnung bringen muss, und da hängt jetzt alles an der widerspenstigen Innung. Danach muss Kreishandwerks-Meister Rolf Wolters dann auf eine Einigung mit dem Hauptzollamt Braunschweig hoffen. Sollte die Strafe in Höhe von 300 000 Euro wegen vermuteter Schwarzarbeit tatsächlich fällig werden (wir berichteten), wäre die Kreishandwerkerschaft wohl nicht mehr zu retten.













