"Ein zweites Sonderopfer wird es nicht geben"
Matthias Schultz spricht über Sanierungspläne für die Kreishandwerkerschaft
Nach dem Rücktritt von Kreishandwerksmeister Rolf Wolters wählen die Obermeister heute Abend einen Nachfolger: Der 44-jährige Matthias Schultz, der im Vorstand der Kreishandwerkerschaft sitzt und die Heizungs- und Sanitärinnung anführt, gilt als sicherer Kandidat (WN berichteten exklusiv). WN-Redakteurin Annika Koch sprach mit ihm über den Sanierungsfall Kreishandwerkerschaft.
Fühlen Sie sich für Ihre neue Aufgabe als Kreishandwerksmeister gewappnet?
In der jetzigen Situation gibt es sicherlich niemanden, der sich hundertprozentig auf die Aufgabe vorbereitet fühlt. Aber einer muss es schließlich machen. Es wird Zeit, dass etwas jüngeres Blut in die Führungsebene hineinkommt. Schließlich verzeichnen wir im gesamten Handwerk einen Generationenwechsel. Junge Leute führen Unternehmen und stehen mit beiden Beinen fest im Berufsleben.
Wenn Sie heute Abend zum Kreishandwerksmeister gewählt werden, wie wollen Sie die Kreishandwerkerschaft dann aus der Krise führen?
Ob es mir gelingt, weiß ich natürlich nicht, aber ich will es versuchen. Es muss neue Gespräche mit den Banken und der Stadt geben. Die Grundvoraussetzung ist aber, dass alle Handwerksbetriebe zusammenhalten. Alle Handwerksbetriebe, die sich in den Innungen versammeln, müssen sich zusammenschließen und zuerst an die Handwerksehre denken. Dann bekommen wir die Kreishandwerkerschaft auch wieder ins rechte Fahrwasser.
Die Innungen haben einem finanziellen Sonderopfer zugestimmt, um die Kreishandwerkerschaft zu retten. Wie rechtfertigen Sie diese Entscheidung vor den Kollegen?
Das tut sicherlich jedem Betrieb weh. Wir müssen aber Sonderbeiträge bringen, sonst geraten wir in die absolute Zahlungsunfähigkeit. Wir wollen hoffen, dass das Geld ausreicht, um einen Weg aus der Krise zu finden.
Ist eine zweite Finanzspritze für die Kreishandwerkerschaft denkbar?
Nein, ein zweites Sonderopfer wird es definitiv nicht geben. Sollte das Geld nicht ausreichen, müsste die Kreishandwerkerschaft geschlossen werden.
Es ist eine Fusion der Kreishandwerkerschaften Wolfsburg, Braunschweig und Gifhorn geplant. Wie kann das helfen?
Die Fusion ist kein Mittel, um der Kreishandwerkerschaft Wolfsburg aus der Misere zu helfen. Wir müssen erst unsere Finanzen in Ordnung bringen. Warum sollten andere Kreishandwerkerschaften einen Partner wie Wolfsburg mit ins Boot nehmen, der finanziell ganz schlecht dasteht? Keiner wird die Schulden übernehmen. Die geplante Fusion ist ein langfristiges Thema und wird nicht vor 2010/2011 aktuell.
Wenn es denn soweit ist, was bringt ein Zusammenschluss für Vorteile?
Die Fusion wird uns einen Schritt nach vorne bringen. Es geht darum, die Region Braunschweig mit Wolfsburg und Gifhorn zu stärken. Es ist auch vorstellbar, dass Wolfsburger Handwerker häufiger einen Auftrag in Braunschweig übernehmen und umgekehrt. Die einzelnen Innungen und Obermeister werden sicher bestehen bleiben.













