Handwerksinnungen droht der Ruin
Forderungen der Kreishandwerkerschaft können vor allem Selbstverwaltung der Bäcker und Friseure gefährden
Die Nachricht war ein Schock für die Handwerksinnungen: Offenbar stehen noch hohe Forderungen in den Geschäftsbüchern der Kreishandwerkerschaft Wolfsburg aus. Sollten die Innungen das Geld tatsächlich zahlen müssen, droht vor allem der Bäcker- und der Friseurinnung der Ruin.
"Wenn die Forderung auf uns zukommt, dann wirds eng", gibt Stefan Wolters, Obermeister der fünf Mitglieder umfassenden Bäckerinnung zu. Sogar über Insolvenz habe man kurzzeitig nachgedacht. Er vertraut allerdings auf die Aussage des Insolvenzverwalters Joachim C. Hausherr, der die Zahlen zunächst mit Vorsicht betrachtet und prüfen will. Er selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Nichtsdestotrotz ist eine so kleine Innung wie die der Bäcker laut Wolters auf Dauer nicht mehr überlebensfähig. "Dem Thema Fusion werden wir uns nicht verschließen können", sagt Wolters, selbst Mit-Geschäftsführer des "Stadtbäcker".
Auch um die Selbstverwaltung der Friseure ist es schlecht bestellt. "Ich denke, dass es tatsächlich gar nicht so schlimm aussieht. Vieles ist wohl einfach nur falsch verbucht", sagt Obermeisterin Uta Wetzel-Schlestein, sie will endgültige Zahlen abwarten.
Noch ein kleines finanzielles Polster sichert dagegen die Zukunft der Fleischer-Innung. "Es kann aber nicht sein, dass die kleinen Innungen mehr zahlen sollen, als sie überhaupt an Beiträgen einnehmen", kritisiert Obermeister Wieland Kusch. Der Verteilungsschlüssel, wonach die Gesamtkosten umgelegt würden, stamme aus längst vergangenen Tagen. "Das passt heute nicht mehr", sagt Kusch und erklärt, dass die Fleischerinnung über die Jahre viele Mitglieder verlor.
Die Innungen sollen so die schlechte Haushaltsführung der Kreishandwerkerschaft ausbaden, meint ein Insider. "Da ist über Jahre keine vernünftige Buchhaltung gemacht worden", kennt er die Wurzeln allen Übels. Eine Mitschuld gibt er auch dem zurückgetretenen Kreishandwerksmeister Rolf Wolters. "Er wollte sich mit dem Bau des Handwerkszentrums ein Denkmal setzen. Um teure Räume und teures Personal zahlen zu können, sind die Preise für Bildungsangebote viel zu hoch kalkuliert worden."
"Wenn die Kreishandwerkerschaft die Zahlungsunfähigkeit vor vier, fünf Monaten eingestanden hätte, wäre das Problem längst gelöst", meint Erwin Laufer, Mitglied in der Innung Heizung und Sanitär. "Die Verzögerung kostet uns viel Geld."













