"Männer, die Bodenhaftung verloren haben"
Der Fernsehfilm zur VW-Affäre: Dieter Wedel hat gestern mit ARD und ZDF verhandelt Star-Regisseur im Exklusiv-Interview
Dieter Wedel (64), Star-Regisseur und Grandseigneur des deutschen Fernseh-Dramas, wagt sich an den heißen Stoff der VW-Affäre. Im Exklusiv-Interview mit unserer Zeitung erzählt Wedel, was ihn an der Geschichte von Peter Hartz und Klaus Volkert so fasziniert. Mit Dieter Wedel sprach unser Redakteur Frank Jungbluth.
Herr Wedel, was reizt Sie so an diesem Stoff?
Als das Thema damals hochkam, dachte ich sofort: Das ist ein echtes Königsdrama, eine Super-Story. Da finden sie als Regisseur alles, was eine gute Story braucht. Da sind Allianzen geschmiedet worden, da gibt es Opfer und tragische Figuren. Und vor allem eines: Das ist für mich nicht die Geschichte des Systems VW, sondern die Geschichte des Systems Deutschland. Es ist nicht das erste und wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal, dass Manager im Bordell Unternehmenspolitik machen.
Wie gehen Sie an diese besondere Geschichte heran?
Ich muss noch viel recherchieren und treffe mich Ende April zu ersten Gesprächen mit Protagonisten der Geschichte. Das wird in Wolfsburg sein und auch andernorts. Ich kenne die Geschichte nur aus den Medien und will jetzt mehr wissen. Vor allem interessiert mich, was das für Menschen sind, die hinter der Affäre stehen.
Was ist so spannend an den beteiligten Figuren in der VW-Affäre?
Volkert war ein König, Hartz auch, und ich bewundere einen Konzernlenker wie Ferdinand Piëch. Der hat wie ein Marionettenspieler die Fäden um das alles herum gezogen und kommt unbeschadet aus der ganzen Affäre heraus. Vielleicht hat er ja wirklich nichts gewusst. Aber das ist ehrlich gesagt schwer vorstellbar.
Und wenn er es gewusst hat, dann ist das ein beeindruckendes diplomatisches Meisterstück, nicht beteiligt zu sein.
Sie verhandeln mit verschiedenen Fernsehsendern über den Film?
Ja, ich war eben in Berlin und habe mit zwei großen Sendern gesprochen. Sie wissen ja, dass das ZDF mein Heimatsender ist. Ich arbeite natürlich auch für die ARD. Das Thema ist eine grandiose Story und jetzt muss man sehen, ob das ein TV-Film wird oder ein Mehrteiler in der Art vom großen Bellheim. Der Stoff würde auch im Kino ziehen.
Haben Sie eine Idee, wie sie die Geschichte der VW-Affäre erzählen?
Es wird auf jeden Fall nicht so sein, dass die Herren Hartz und Volkert jetzt da auftauchen. Die Geschichte wird natürlich wie immer von den Tatsachen in die Fiktion gleiten und zurück. Es geht ja um Menschen, um intelligente Männer, die Karriere gemacht haben und dann die Bodenhaftung völlig verloren.











