Zehn Meter sind zehn Millionen Jahre
Am Phaeno wird zu den ersten Wolfsburgern gebohrt: Gesteinsschichten des Jura eröffnen Einsichten
Langsam senkt sich der Bohrer in den Boden. Bestaunt von einer Menschenmenge am Zaun, die eine Premiere verfolgt. Eine öffentliche, als Schau inszenierte Kernbohrung, die gabs bisher noch nie. Zeitphänomene, ein Projekt von Phaeno und Partnern, darunter die Technische Universität Braunschweig sowie die Gesellschaft für Grundbau und Umwelttechnik (GGU), bietet die Möglichkeit, Einblicke in die Erdgeschichte zu nehmen.
Vor dem Einblick ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt, und zwar das von Bohrgeräteführer Stefan Knorr und seinen Helfern. "Das brauchts wirklich, eine Bohrung ist eine schwierige Angelegenheit", sagt Knorrs Chef Dirk Fennekoldt. Zumal die Mitarbeiter mit Gerät, "so um 400 000 Euro" hantierten.
Die Umstehenden staunen. "Eine interessante Sache" befinden Antje und Lars Brandes aus Ellerbeck bei Hamburg. "Kriegt man ja nicht alle Tage zu sehen." Später wollen sie noch ins Gesteinslabor im Phaeno. Dort werden die zu Tage geförderten Bodenproben untersucht, Carl Stoewahse (GGU) und seine Mitarbeiter haben dort verschiedene Experimentier-Stationen eingerichtet.
Die Chance, auf Mikrofossilien zu stoßen, steigt mit der Tiefe. Und ab 20, 25 Meter kommen Gesteinsschichten aus dem Jura. Darin sollte sich das eine oder andere Millionen Jahre alte Mikrofossil schon finden lassen. Klaus-Peter Schleicher vom Leichtweiß-Institut für Wasserbau der TU Braunschweig begleitet die Schau-Bohrung mit fachkundigen Kommentaren, macht darauf aufmerksam, dass der Boden in Bezug auf Schichten Überraschungen bieten könne. Sein Kollege Jens Führböther hat zuvor die "Schaulustigen" im Phaeno durch einen kurzen Vortrag vorbereitet.
Etwa 10 Meter am Tag werde man bis zum 10. April in die Tiefe vordringen können, schätzt der Leiter der Bohrung, Sebastian Schüer. Bis zu 100 Metern insgesamt werde man wohl gelangen. Die jeweiligen Proben in einem Plastikrohr hochgeholt haben eine Länge von einem Meter. Eine Hälfte der Proben wandert ins Gesteinslabor, die andere wird nach ihrem Förderungsdatum gelagert. Damit beim Abschluss die Bohrung mit ihren Ergebnissen (nach-)verfolgt werden kann.
Gebohrt wird vor dem Stadtwerke-Gebäude bis zum 10. April jeweils um 12 Uhr und um 15 Uhr.













