Ärzte empört: Skandal-Kollege frei
Wolfsburger Chirurg in Haft: "Ärztekammer reagiert nicht, es ist eine Schande, was hier noch passiert"
Die Wolfsburger Ärzteschaft ist empört, seit jetzt klar ist, dass ein verurteilter 43-jähriger Kollege nach der Haftentlassung wieder praktizieren darf.
"Was muss denn doch passieren, bevor die Ärztekammer reagiert?" empört sich ein Wolfsburger Mediziner, der für seine Kollegen aus der Ärzteschaft spricht und unerkannt bleiben will. "Da ist zu viel passiert, so einen Mann kann man doch nicht mehr auf Patientinnen loslassen."
Tatsächlich ist der Wolfsburger Chirurg, der seit Ende des vergangenen Jahres in Haft saß, wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, sexueller Nötigung von Patientinnen, Beleidigung und Körperverletzung rechtskräftig verurteilt. "So ein Urteil ist doch eindeutig, die Belastungen für betroffene Mitarbeiterinnen und Patientinnen waren damals eindeutig. Wir waren sicher, dass die Ärztekammer die Approbation entzieht", sagt ein Mediziner aus der Wolfsburger Ärzteschaft im Gespräch mit den WN.
Nach Anfrage bei der Bezirksstelle Braunschweig der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen war Geschäftsführer Stefan Hofmann gestern nicht zu einer Stellungnahme bereit. Eine entsprechende Anfrage der WN wurde nicht beantwortet. "Das ist ein Skandal", sind Wolfsburger Ärzte darüber empört.
Man sei nach den gravierenden Vorfällen und dem eindeutigen Urteil gegen den Kollegen sicher davon ausgegangen, dass der in Wolfsburg nicht mehr praktizieren würde, sagen die Mediziner. Die Kammer aber habe nicht reagiert.
"Üblich ist zwar, dass erst bei Haftstrafen ab drei Jahren die Zulassung entzogen wird", weiß ein Mediziner, der im Gespräch mit den WN Stellung bezogen hat. In einem solchen Fall könne die Kammer aber auch entsprechend handeln.
"Sexueller Missbrauch und sexuelle Nötigung, das sind drastische Taten, die man nicht mehr rechtfertigen kann. Da kann es nur eindeutige Konsequenzen geben. Der Mann darf nie wieder eine Praxis führen oder praktizieren", sagt ein Arzt.













