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13. Februar 2012
2-Tage-Vorschau

Zwischen Hörsaal und Trainingsplatz

Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht muss für die Fußball-Lehrer-Lizenz von morgens bis abends büffeln

Von Christian Schiebold

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BRAUNSCHWEIG. 35 bis 40 Unterrichtsstunden, jeweils gebündelt von Montagmorgen bis Mittwochabend, stehen für die angehenden Fußball-Lehrer jede Woche in der Kölner Hennes-Weisweiler-Akademie auf dem Programm.

Seit Anfang Juni drückt Torsten Lieberknecht in Köln die Schulbank. Mit 23 weiteren Kandidaten, darunter die Ex-Nationalspieler Markus Babbel und Christian Ziege, bereitet sich der Coach von Drittligist Eintracht Braunschweig noch bis März auf den Erwerb der Fußball-Lehrer-Lizenz, der höchsten Trainer-Lizenz im deutschen Fußball, vor. So sah diesmal die Lehrgangswoche aus:

Sonntag

Normalerweise macht er sich erst sonntagabends auf den Weg nach Köln. Diesmal aber heißt es für Torsten Lieberknecht, bereits am Mittag Abschied zu nehmen von Frau Simone und den Kindern Finn (5) und Mia (1). Gemeinsam mit Heiko Weber, Teammanager von Carl Zeiss Jena und ebenfalls Teilnehmer am Fußball-Lehrer-Lehrgang, fährt der Eintracht-Coach nach Osnabrück, um beim Heimauftritt des Liga-Rivalen gegen Offenbach zu spionieren.

Doch damit nicht genug: Auf dem Weg in Richtung Rheinland legen die beiden Fußballer noch einen Zwischenstopp beim Bundesliga-Duell zwischen Leverkusen und Freiburg ein. "Das lag ja auf dem Weg", erzählt der 36-Jährige und schmunzelt. "Ich gucke halt gerne Fußball." Gegen 20 Uhr bezieht er dann sein spartanisch eingerichtetes Zimmer im Bundesleistungszentrum an der Deutschen Sporthochschule in Köln. "Dann habe ich noch eine Kleinigkeit gegessen und bin auch ins Bett gefallen."

Montag

Wer ausschlafen will, ist beim Trainer-Lehrgang fehl am Platz. Um 6.45 Uhr klingelt Lieberknechts Wecker. Schnell Duschen und Frühstücken, denn schon um 8 Uhr beginnt im Hörsaal der Unterricht. "Jede Woche hat einen anderen Schwerpunkt", berichtet er. Diesmal stehen Persönlichkeitsentwicklung und Kreativität auf der Agenda. Bis 9.30 Uhr stellt ein Professor von der Uni Heidelberg verschiedene Studien vor, die sich um die Frage drehen: Wie kann man Führungsspieler entwickeln? Kann man Kreativität lernen? "Ein sehr, sehr komplexes Thema", resümiert Lieberknecht.

Nach einer kurzen Kaffeepause hat sich für 10 Uhr der nächste Gast angekündigt: Ronny Teuber, Torwart-Trainer der deutschen U-17-Nationalmannschaft. Aufgelockert wird dessen Vortrag durch eine Gruppenarbeit. Lieberknecht und Weber machen sich gemeinsam Gedanken, was sie unter dem Begriff Führungsqualität verstehen.

In der einstündigen Mittagspause gehen die angehenden Fußball-Lehrer gemeinsam zum Mittagessen in die Mensa der Sporthochschule. "Überhaupt machen wir sehr viel gemeinsam", schwärmt Lieberknecht, der die Zeit zudem für ein Telefonat mit seinen Co-Trainern nutzt. Nach der Pause gibt es schwere Kost: Von 13.15 bis 14.45 Uhr steht eine Psychologie-Vorlesung auf dem Stundenplan. Nach der Kaffeepause bekommen die Lehrgangs-Teilnehmer von DFB-Trainer Bernd Stöber wieder eine Gruppenarbeit gestellt. "Wir sollten uns Gedanken machen, welche Spiel- und Trainingsformen uns rund ums Thema Kreativität einfallen", berichtet Lieberknecht.

Die Vorstellung der Ergebnisse muss jedoch auf den nächsten Tag verschoben werden, denn um 18 Uhr machen sich die angehenden Fußball-Lehrer auf den Weg nach Aachen, um die Zweitliga-Partie zwischen der Alemannia und Kaiserslautern zu beobachten. "Es ist durchaus spannend, dass jeder von uns so ein Spiel mit anderen Augen sieht", sagt Lieberknecht, der nach Schlusspfiff noch der Pressekonferenz beiwohnt. "Das war noch Teil unseres Rhetorikkurses." Zurück in Köln fällt der Eintracht-Coach todmüde ins Bett, "der Tag war lang und anstrengend".

Dienstag

Der Tag beginnt mit einer Praxis-Einheit in der Halle. Die Teilnehmer stellen die Ergebnisse ihrer Gruppenarbeit vom Tag zuvor vor. "Das ist Abwechslung, die gut tut", erzählt Lieberknecht. Um 10 Uhr geht es wieder in den Hörsaal, Trainingswissenschaft steht auf dem Stundenplan. Genauer gesagt: torwartspezifische Athletik und Schnelligkeit. In der Mittagspause geht es diesmal, wie so oft, zu einem benachbarten Italiener. "Als Stammgäste kriegen wir da mittlerweile schon Rabatt."

Am Nachmittag steht dann der Höhepunkt der Woche auf dem Programm: DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ist zu Besuch und referiert über Persönlichkeitsentwicklung in den Nachwuchsmannschaften des Verbandes. "Da waren wir gespannt drauf", gesteht Lieberknecht. Und Sammer erfüllt die hohen Erwartungen: Er sei sehr impulsiv gewesen und habe seinen Vortrag mit Leidenschaft gefüllt, schwärmt der gebürtige Pfälzer. "Das war auch für uns etwas ganz Besonderes."

Nach Ende einer hitzigen Diskussion schnürt Lieberknecht seine Laufschuhe: Gemeinsam mit ein paar anderen Trainern dreht er regelmäßig eine knapp 60-minütige Jogging-Runde durch den Kölner Stadtwald. "Das tut gut, um den Kopf freizukriegen." Nach dem Abendessen zieht sich der Ex-Profi auf sein Zimmer zurück. Dort stellt er eine Lehrprobe fertig, studiert die von Eintracht-Scout Dirk Fischer erarbeitete Analyse des nächsten Gegners Burghausen und spricht mit Co-Trainer Darius Scholtysik die weitere Trainingswoche ab. Auch ein Telefonat mit seiner Familie darf natürlich nicht fehlen.

Mittwoch

Und wieder ein Gast. Uwe Harttgen, Leiter des Bremer Nachwuchsleistungszentrums, führt den Lehrgangs-Teilnehmern vor Augen, welchem Leistungsdruck die Talente unterliegen. Zudem stellt ein Psychologie-Professor eine empirische Studie vor, die sich mit Leistungsbereitschaft bei jugendlichen Fußballern beschäftigt. "Der Vormittag war sehr interessant", sagt Lieberknecht, der aber auch eingesteht, dass bei der Fülle an Informationen irgendwann der Punkt erreicht sei, an dem er nicht mehr viel aufnehme.

Manchmal sei es immer noch ungewohnt für ihn, den ganzen Tag im Hörsaal zu verbringen und zuzuhören. Die Mittagspause beim Italiener kommt daher genau zum richtigen Zeitpunkt. Zwischen Pasta und Espresso erfährt er dann von Eintrachts sportlichem Leiter Marc Arnold, dass die Partie gegen Burghausen abgesagt wurde. "Wir haben uns dann gleich Alternativen überlegt."

Am Nachmittag steht eine Sportmedizin-Vorlesung auf dem Programm. "Eines meiner Lieblingsfächer", sagt der Familien-Vater. Ganz im Gegensatz zu Ernährungslehre: "Das ist eher zäh." Um 17 Uhr packt der 36-Jährige dann seine Sachen, macht sich mit dem Auto wieder auf gen Braunschweig. Den Weg kennt er nach all den Wochen fast im Schlaf. Um 21.30 Uhr ist er dann endlich zu Hause. Finn und Mia liegen zu diesem Zeitpunkt längst im Bett.

Freitag, 05.02.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11666797/menuid/2166

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