Brinkmanns Platzverweis weckt die Leidenschaft
Fußball-Drittligist Eintracht stellt mit 1:0-Heimsieg Kontakt zur Spitzengruppe her
BRAUNSCHWEIG. Ein richtig packendes, leidenschaftlich und hoch spannendes Fußballspiel erlebten die 10 800 Zuschauer am Sonnabend erst ab der 60. Spielminute.
Da rauschte Eintrachts Kapitän Dennis Brinkmann am Strafraum der Gäste aus Unterhaching in die Beine von Patrick Ziegler. Schiedsrichter Marcel Unger fasste in seine Tasche – die Fans ahnten schon, was kommen sollte. Geld-Rot!
Kurz vorher hatte der Braunschweiger Außenverteidiger nämlich schon wegen eines Handspiels die gelbe Karte gesehen. War die erste Verwarnung diskussionswürdig, so ging die zweite in Ordnung.
"Die letzte halbe Stunde war für uns einfacher als die erste", sagte Eintrachts Torhüter Marjan Petkovic nach der nervenzehrenden Partie. "Jeder wusste, was er zu tun hatte."
Das Publikum erwachte von einer Sekunde auf die andere, wusste, dass es nur mit Hilfe von den Rängen gelingen würde, das 1:0 durch Kumbela (30.) über die Zeit zu bringen.
Trainer Torsten Lieberknecht wechslte mit Kingsley Onuegbu einen frischen Stürmer für Marco Calamita ein. Seine Aufgabe beim Comeback nach fast dreimonatiger Verletzungspause: Auf Konter lauern. Kumbela rückte ins Mittelfeld zurück, Ken Reichel kam wenig später in die Viererkette.
Das Eintracht-Bollwerk hielt. Jeder grätschte, rackerte, warf sich in die Bresche. Onuegbu hatte kurz vor dem Schlusspfiff gar noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen.
"Wir haben heute kein schönes Spiel gesehen, aber meine Mannschaft hat tolle Moral bewiesen, zu zehnt um jeden Zentimeter gekämpft und den Vorsprung verdient verteidigt", analysierte Lieberknecht. Seine Elf habe sich in der ersten Halbzeit das Leben selbst zu schwer gemacht.
"Im Spielaufbau haben wir Harakiri gespielt, haben auf dem schwer bespielbaren Boden zu Dribblings angesetzt, statt mit langen Bällen in die Offensive zu gehen." Das Resultat erwärmte die Zuschauer kaum: Viele Fehlpässe auf beiden Seiten sorgten für ein zerfahrenes Spiel, in dem Eintrachts Stürmer oft im Abseits standen.
Doch in der 29. Minute kam ein Zuspiel Pfitzners zentimetergenau in den Lauf Kumbelas, der eiskalt einschoss – all den Schlagzeilen der vergangenen Tage zum Trotz, so als wollte er allen zeigen: Ich komme da wieder raus.
Zehn Minuten später hatte die Eintracht erneut Glück, als ein abgefälschter Schuss des Unterhachingers Leandro an die Latte knallte. In der 61. Minute – direkt hinein in die erste Drangphase der Gäste nach dem Brinkmann-Feldverweis, parierte Petkovic mit einem tollen Reflex einen Schuss von Rathgeber aus nächster Nähe.
"Wir haben auch sehr leidenschaftlich gekämpft, Braunschweig zu vielen Fehlern gezwungen, die Bälle aber zu schnell wieder verloren", sagte Unterhachings Trainer Matthias Lust nach den nervenzehrenden 90 Minuten. "In Überzahl hatten wir nicht eine klare Einschussmöglichkeit."
Eintrachts unermüdlicher Einsatz machte dies möglich und die fantastische Hilfe von den Rängen.













