"Goree wird die Liga dominieren"
Braunschweigs Basketballer genießen ihr Glück mit dem Transfer des Stars aus der Europaliga
BRAUNSCHWEIG. Dieses Basketball-Märchen ist fast zu schön, um wahr zu sein. Und es würde nicht verwundern, wenn die Phantoms-Verantwortlichen heimlich ein bisschen Sorge hätten, plötzlich aus einem schönem Traum aufwachen und Marcus Goree ist weg.
Spätestens seit das DSF das Niedersachsenduell aus Quakenbrück übertragen hat, staunt die gesamte Bundesliga über den Star, der da in Braunschweig vom Himmel gefallen ist. Das hatten auch die Fernsehexperten noch nicht erlebt, dass ein Spieler, der konditionell sichtlich noch nicht fit ist, einer Partie schon derart seinen Stempel aufdrückt.
In jeder Sekunde strahlte Goree physische Präsenz und die Erfahrung aus 119 Europaligaspielen aus. Betrat er das Parkett, wurden die Braunschweiger schlagartig stärker und die Gegner schwächer. Quakenbrücks Schwergewichte Daren Fenn und Darius Hall, unerschrockene Bundesliga-Haudegen, die zuvor Phantoms-Center Yassin Idbihi das Fürchten gelehrt hatten, schrumpften neben Goree zu Nebendarstellern.
"Jeder Gegner weiß, da steht Goree, nicht irgendjemand", beschreibt Phantoms-Sportdirektor Oliver Braun die psychologische Komponente. "Und uns gibt er Sicherheit. Steht er hinten drin, können wir außen mehr Druck machen."
Der Europaliga-Champion von 2008 dominiert, aber er lässt überhaupt nicht den Star heraushängen, ist kein kokettierender Show-Typ. Braun beschreibt ihn als "super zuvorkommend und nett", und man merkt dem Sportdirektor die Genugtuung über den Verpflichtungscoup an, der den Weg in die Play-offs ebnen soll: "Klar sind wir stolz, dass so ein Spieler in Braunschweig spielt."
Sebastian Machowski mag nicht so euphorisch schwärmen schließlich hat der Trainer auch die anderen Akteure im Blick. Goree sei jedenfalls sehr engagiert im Training, dessen Qualität er deutlich steigere, ein Vollprofi, der seine Meinung sagt, aber zuerst als Vorbild führt. "Wichtig ist, dass die anderen nicht sauer sind, wenn sie ein paar Minuten weniger spielen, sondern merken, dass sie neben ihm extra Gas geben müssen", sagt Machowski.
Braun malt sich schon die nähere Zukunft aus: "In zwei, drei Wochen, wenn Marcus richtig fit ist, wird er die Liga dominieren", schwärmt der Ex-Nationalspieler. Denn dann sind noch mehr Angriffsimpulse von dem 32-Jährigen zu erwarten, der auch ein guter Werfer ist, dem bislang aber noch die Puste und Beinarbeit für die ruhige Wurfhand fehlte.
Ob Goree mit "nur" 2,01 Meter nicht zu klein sei? Ob es nicht ein Risiko gewesen sei, ihn nach einer langwierigen Schulterverletzung zu holen? Solche Fragen kann Braun inzwischen souverän weglächeln. Ob er fürchte, dass der Amerikaner noch kurzfristig von einem zahlungskräftigen Europapokal-Klub weggekauft wird? Da wird der Sportdirektor nachdenklich, sagt aber: "Ich hoffe nicht, er hat ja schon lukrative Angebote abgelehnt. So wie ich Marcus kennengelernt habe, bleibt er bis Saisonende."











