Phänomenaler Endspurt fürs Phantoms-Geschichtsbuch
Schaffartziks Dreier erzwingen Verlängerung, dort glänzt die kleine Not-Formation
TÜBINGEN. Die Braunschweiger Korbjäger sind wieder in der Erfolgsspur. Mit dem 112:104-Verlängerungssieg, der siebte Erfolg aus den vergangenen acht Spielen, festigten sie ihren Play-off-Platz und schüttelten Verfolger Tübingen ab.
Gefühlt eine Stunde brauchte Heiko Schaffartzik, bis er als Letzter aus der Kabine kam. Das Privileg des längsten Duschens für den Matchwinner? "Nein", sagte der Phantoms-Spielmacher. "Ich bin einfach so kaputt, dass ich so lange gebraucht habe."
So ist auch das seltsame Bild zu erklären, das sich den Braunschweiger Basketballfans am Samstag in Tübingen bot: Ihr Team hatte sensationell 112:104 gewonnen, ein Spiel, das schon verloren schien, und dabei in einer Not-Aufstellung mit fünf kleinen Spielern die gesamte Verlängerung dominiert. Dann kam die Schlusssirene, aber kein Freudentanz. Die Phantoms waren zu platt.
"Auf dem Feld habe ich immer nur gedacht, konzentriert bleiben, nicht noch eine Verlängerung spielen müssen", erzählt Schaffartzik. "Und als es vorbei war, hatte ich nicht mehr die Kraft zum Jubeln." Denn die hatte er mit Kevin Hamilton, Brandon Thomas, Michael Hicks und John Allen in einen phänomenalen Endspurt gesteckt.
Drei Minuten vor Schluss schienen die Phantoms schon geschlagen. Sie hatten eine 16-Punkte-Führung (8.) verspielt, im zweiten Viertel zu Recht mit den Referees gehadert, im dritten gegen immer stärker auftrumpfende Tübinger den Faden und die Führung verloren (59:58, 26.), lagen nun 76:86 hinten. Und mit jedem Schiedsrichterpfiff verabschiedete sich wie bei den zehn kleinen Negerlein einer der großen Spieler mit fünf Fouls auf die Bank: Yassin Idbihi, Jason Cain, Marcus Goree. Nils Mittmann und Tomasz Cielebak fehlten ohnehin krank.
Doch dann kam Schaffartziks großer Auftritt. Minutenlang hatte sein Team zuvor gegen die Zonenverteidigung der Schwaben verzweifelt angegriffen, daneben geworfen und den wurfstarken 26-Jährigen frei an der Dreierlinie übersehen.
"In so einer Phase muss man positiv bleiben, es spielt einen ja keiner absichtlich nicht an", meinte Schaffartzik. Als der Ball dann doch noch bei ihm landete, netzte er ihn wie selbstverständlich ein und ließ innerhalb von 65 Sekunden zwei weitere Dreier folgen. 87:85, die kleinen Phantoms waren wieder im Spiel.
Die Tübinger kamen mit der neuen Situation nicht zurecht, retteten sich nach dem 88:90 in die Verlängerung. Man merkte, sie dachten zu viel nach, wollten unbedingt ihre Längenvorteile ausnutzen, spürten auch die Angst vor der Niederlage. Sie verloren ihre Ruhe, warfen unsicher, auch von der Freiwurflinie.
Ganz anders die fünf kleinen Phantoms und Youngster Tony Granz, der den verletzt ausscheidenden John Allen ersetzte (43.). Sie punkteten in jedem Angriff, setzten sich leicht ab. Hinten schafften sie es, ohne Fouls stark zu verteidigen – jeder Pfiff hätte eine weitere Dezimierung bedeutet –, schnappten den größeren Gegnern mit enormer Willenseistung auch noch die Rebounds weg. Und als Tübingen foulen musste, saßen ihre Freiwürfe.
"Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, konzentrieren sich alle noch mehr als sowieso schon", erklärte Schaffartzik das kleine Wunder der nahezu fehlerlosen drei plus fünf Schlussminuten. "Wir sind dafür belohnt worden, dass wir nie aufgegeben haben."













