Liga zwingt Phantoms spätes Spiel auf
Basketball-Viertelfinale wegen Fernsehübertragung am Mittwoch erst um 20.45 Uhr – "Unverschämtheit"
Wie schön hätte dieser Montag für die Verantwortlichen der Braunschweiger Basketballer sein können: Schnell die Halle ausverkaufen und genießen. Stattdessen gab es für Finanzchef Norbert Rüscher und seine Kollegen gestern nur Ärger.
Um 9.34 Uhr ging eine Mail von Liga-Sportchef Jens Staudenmayer ein: Das vierte Viertelfinale der Phantoms gegen Meister Oldenburg wird von 19 Uhr auf 20.45 Uhr verlegt, weil Fernsehpartner Sport 1 übertragen will.
Rüscher war empört, vor allem über das Prozedere: "Wir finden es unverschämt, dass da ohne jeden Kommentar diese Ansetzung eingeht, obwohl wir am Freitag unsere Bedenken vorgetragen hatten", sagte der Finanzgeschäftsführer und nimmt in Kauf, dass dafür – wie bei jeder kritischen öffentlichen Äußerung – wieder eine Geldstrafe fällig wird.
Freitag hatte Rüscher nach der Anfrage der Liga darum gebeten, auf eine Spielverlegung zu verzichten. Unter anderem hatte Namenssponsor New Yorker 500 Tickets gekauft und an Schüler verteilt, die am nächsten Tag wieder zur Schule müssen. Außerdem kommt kaum ein Phantoms-Fan gegen 23 Uhr noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause.
"Die Fürsorge der Liga gegenüber einem Verein muss gewährleistet sein, und ich frage mich derzeit, ob das geschieht", ärgert sich Rüscher. Der Versuch der Braunschweiger, gegen die aufgezwungene Ansetzung ein Eilverfahren beim Schiedsgericht anzustrengen, scheiterte. "Wir hätten frühestens Dienstagnachmittag ein Ergebnis bekommen und noch mehr Zeit verloren, unsere Fans zu informieren", sagt er.
3000 Tickets mit 19 Uhr-Aufdruck waren zwischen dem Heimsieg der Phantoms am Donnerstag und Montagmorgen bereits verkauft. Während erneuter Diskussionen mit der BBL stoppten die Phantoms den Vorverkauf gestern bis etwa 12.30 Uhr, zumal sie noch ein technisches Problem hatten. Das Buchungssystem hatte fälschlicherweise kurzfristig die Plätze einiger Dauerkarteninhaber frei verkauft.
Verärgerte Zuschauer, die vergeblich an den Vorverkaufsstellen gestanden hatten, klingelten gestern Sturm in der Geschäftsstelle. "Die Leute schreien einen an, als ob man ihnen etwas Schlimmes getan hätte", klagt die Ticket-Verantwortliche Kathrin Brünjes. "Wir können uns nur entschuldigen", sagt Rüschers Kollege Oliver Braun.
Bei der Liga wundert man sich über den Ärger in Braunschweig. Schließlich seien zu Beginn der Play-offs die Vereine informiert worden, dass die vierten und fünften Spiele kurzfristig verlegt werden könnten und die TV-Zeiten 19.05 und 20.45 Uhr vorgegeben.
"Die Auswahl erfolgt nach Attraktivität, und da die Braunschweiger die Chance haben, den deutschen Meister rauszuwerfen, ist die Partie für Sport 1 natürlich attraktiv", sagt BBL-Sprecher Dirk Kaiser. Aber wohl nicht so attraktiv wie Frankfurt gegen Berlin – diese Partie wird um 19 Uhr übertragen. Rüschers Idee, der Sender hätte doch um 19 Uhr aufzeichnen und um 20.45 Uhr senden können, habe für den TV-Partner der Liga mangels "Live-Charme" keinen Reiz, sagt Kaiser .
So bleibt den Phantoms nur zu hoffen, dass noch alle Ticketkäufer von der neuen Anfangszeit erfahren, dass ihre Halle morgen trotzdem voll wird und die Partie auch tatsächlich im Fernsehen läuft. Bei ihrem ersten Viertelfinale hatte Sport1 anfangs lieber Tennis gesendet.
4. Viertelfinale: Braunschweig – Oldenburg, Mittwoch, 20.45 Uhr, VW-Halle/Sport1
Ein 5. Viertelfinale fände am Freitag, 20 Uhr, in Oldenburg statt.













