Schaffartzik will ins Ausland wechseln
Das allzu schöne Märchen, das eigentlich für zwei Jahre die Herzen der Braunschweiger Basketballfans berühren sollte, ist schon vorbei. Nationalmannschafts-Spielmacher Heiko Schaffartzik gab den Phantoms einen Korb.
Als Oliver Braun diese schlechte Nachricht gestern bekannt gab, wirkte er sehr geknickt. "Wir haben wirklich lange um Heiko gebuhlt, und er hat uns gesagt, wenn er in Deutschland weiterspielen würde, wäre er in Braunschweig geblieben", berichtete der Sportdirektor. "Aber er möchte ins Ausland, um internationale Erfahrungen zu sammeln, und wir müssen diese Entscheidung akzeptieren." Von Schaffartzik selbst war bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.
Ein bisschen kann es die Phantoms trösten, dass ihr Star offensichtlich wenigstens nicht zu einem Ligakonkurrenten geht. "Aber es ist sehr schade, ein Aushängeschild des deutschen Basketballs und der Nationalmannschaft zu verlieren. Ich hätte mir gewünscht, dass er zumindest noch eine Saison bei uns bleibt", kommentierte Trainer Sebastian Machowski, der zwei Jahre mit seinem Aufbauduo Schaffartzik/Kevin Hamilton geplant hatte.
Schließlich hatten die Phantoms bei ihrem Verpflichtungscoup im vergangenen Sommer bekanntgegeben, der spätere deutsche EM-Held habe einen Zweijahresvertrag unterzeichnet. Durch eine Ausstiegsoption war der aber offensichtlich nicht haltbar, seit Wochen hatten beide Seiten über einen neuen Vertrag verhandelt. Laut Braun sogar auch über einen längerfristigen.
"Heiko hat nicht nur seine Punkte und seine Spielweise, sondern auch durch seine Außenwirkung viel zu unserem Erfolg beigetragen", machte Machowski den Verlust für die Phantoms deutlich. Er hatte dem Spielmacher mit 31 Minuten im Schnitt die längste Spielzeit im Team anvertraut. "Außerdem haben die Fans ihn sehr gemocht, und unsere jungen Spieler haben ihn als Vorbild in Sachen Einstellung gehabt."
Weil die Ex-Nationalspieler Braun und Machowski viele Jahre selbst als Profis im Ausland gespielt hatten, können sie den Drang des 26-Jährigen nach neuen Erfahrungen außerhalb der Bundesliga nachvollziehen. Dennoch verhehlen sie ihre Enttäuschung nicht. "Bei uns hätte sich Heiko sportlich in Ruhe weiterentwickeln können", sagt Braun, zweifelt an, dass der Spieler die für seine Karriere optimale Entscheidung getroffen habe.
"Sein Abschied tut in dreifacher Hinsicht weh. Wir verlieren einen starken deutschen Spieler, einen intelligenten Spielmacher und eine Identifikationsfigur", bedauert der Sportdirektor.
Der vierte bittere Aspekt: Durch Schaffartziks Absage müssen die Braunschweiger umplanen. Das Vorhaben, das Teamkonstrukt zu erhalten und nur hier und da ein Puzzleteil auszutauschen, funktioniert nicht mehr. Denn es gibt keinen anderen starken deutschen Spielmacher auf dem Markt, so dass die Phantoms einen einheimischen Akteur für eine andere Position verpflichten müssen. "Aber es gibt insgesamt wenig deutsche Spieler, die auf dem höchsten Niveau spielen können", betont Machowski.
Wie das Problem gelöst werden soll, ist noch offen. "Wir haben mehrere Szenarien, die wir jetzt abarbeiten", berichtet Braun. Als nächstes stehen die Verhandlungen mit Schaffartziks Nationalmannschaftskollegen Yassin Idbihi an, der aus dem Urlaub zurückkehrt.













