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12. Februar 2012
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"In Braunschweig ist Herz dabei"

Springreit-Bundestrainer Otto Becker über den Charme der Löwen Classics, die WM in Kentucky und Doping


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Otto Becker hat gute Erinnerungen an das Braunschweiger Reitturnier. 2008 gewann er in der Löwenstadt einen seiner letzten Großen Preise, ehe er im Januar 2009 Bundestrainer der deutschen Springreiter wurde.

Otto Becker zählt längst zu den Stammgästen bei den Löwen Classics. Bis vor zwei Jahren ging er noch regelmäßig als Reiter in der VW-Halle in den Parcours, seit dem Vorjahr stattet er dem Braunschweiger Turnier in seiner Funktion als Cheftrainer der deutschen Springreiter einen Besuch ab. Redakteur Christian Schiebold sprach mit dem 51-Jährigen.

Herr Becker, was macht denn mehr Spaß? Als Reiter oder als Bundestrainer zu einem Turnier zu fahren?

Das kann man so nicht vergleichen. 2008 hatte ich sportlich ein sehr gutes Jahr, habe sechs Große Preise gewonnen, bin Ende des Jahres 50 geworden. Dann habe ich eine gute Gelegenheit gesehen, um einen sauberen Schlussstrich zu ziehen und eine neue Aufgabe anzunehmen. Bei dem schwierigen Umfeld, was es nach den Olympischen Spielen 2008 gab, muss man ja fast sagen: eine neue Herausforderung. Aber das hat mir ermöglicht, dem Sport treu zu bleiben, der mir über all die Jahre ans Herz gewachsen ist. Insofern habe ich da keine Entzugserscheinungen.

Wie sieht denn dieses Jahr Ihr Programm in Braunschweig aus?

Es stehen viele Gespräche mit den Reitern an. Schließlich sind wir mitten in den Planungen für die Sommersaison, klären, welche Reiter an welchen Turnieren teilnehmen. Aber natürlich nutze ich die Löwen Classics auch zur Formüberprüfung, die guten Reiter sind ja schließlich fast alle am Start. Darüber hinaus werde ich mir beim HGW-Nachwuchschampionat den Nachwuchs anschauen.

Die Reiter haben in den vergangenen Jahren immer von dem besonderen Charme des Braunschweiger Turniers geschwärmt. Können Sie mal erklären, was man darunter zu verstehen hat?

Man merkt, dass Reiter dieses Turnier organisieren, die mit Herz und Seele dabei sind. Der Sport und die Reiter stehen bei den Löwen Classics im Vordergrund, auch wenn es mittlerweile ein gesellschaftliches Ereignis ist. Diese Mischung spüren die Reiter, und sie spüren auch, dass das Turnier jedes Jahr besser wird. Es gibt keinen Stillstand, da ist Herz dabei. Deshalb kommen viele Reiter immer wieder gerne nach Braunschweig.

Sie sprachen vorhin die Planung der Sommersaison an. Mit der Weltmeisterschaft in Kentucky steht Ende September ein echter Höhepunkt auf dem Programm. Was ist dort von den deutschen Springreitern zu erwarten?

Wir gehören wie immer zu dem Kreis, der dort Medaillen holen kann. Das wird natürlich auch unser Ziel sein. Dafür muss aber alles passen, vor allem müssen die Pferde gesund bleiben. Zumal es immer schwieriger wird, da die anderen Nationen zuletzt kräftig aufgeholt haben. Vergangenes Jahr bei der EM in Windsor hätten wir, als unsere Schlussreiterin Meredith Michaels-Beerbaum im zweiten Umlauf in den Parcours ging, noch gewinnen können – oder aber nur Sechster werden können. Das zeigt, wie eng das Feld mittlerweile beisammen liegt.

Sie haben, als sie Bundestrainer wurden, eine Perspektivgruppe Springen ins Leben gerufen, um wieder vermehrt junge Reiter an das Weltklasse-Niveau heranzuführen. Hat das schon Früchte getragen?

Wir müssen jungen Leuten die Chance und das Vertrauen geben, dass sie sich beweisen können, um irgendwann einmal in die Fußstapfen treten zu können. Aber das ist natürlich keine Sache, die man in einem halben Jahr schafft. Das Programm ist über Jahre angelegt, das muss wachsen und reifen. Früher hat es gereicht, wenn man ein Hindernis gut angeritten ist. Heute gehört da viel mehr zu: Pferdebeschaffung, Sponsorenpflege, Fütterungslehre und, und, und.

Ludger Beerbaum hat im vergangenen Jahr mit seinen Aussagen zum Thema unerlaubte Medikation für ein Erdbeben im Reitsport gesorgt. War es im Nachhinein vielleicht sogar gut, dass dieses Thema mal öffentlich diskutiert wurde?

Das war ja nicht nur die Aussage von Ludger Beerbaum. Das ging ja mit den ganzen Medikationsfällen nach Hong-Kong los, der Fall Ahlmann, der Fall Kutscher. Das Thema hat uns ja das ganze Jahr auf Trab gehalten. Wir hatten eine kritische Situation. Das war mir auch bewusst, bevor ich Bundestrainer wurde. Wobei ich auch nicht gedacht hätte, dass es so heftig wird. Wir mussten nach den Olympischen Spielen in Hong-Kong viele Dinge aufarbeiten. Wir sind auf dem richtigen Weg, der Verband ergreift viele Maßnahmen, und auch die Reiter haben gut mitgezogen.

Viele haben für die Zukunft des Reitsports schwarz gesehen, sinkende Zuschauerzahlen bei den Turnieren prognostiziert. Das hat sich doch nicht bewahrheitet, oder?

Zum Glück nicht, die meisten Turniere sind weiter gut besucht. Aber das allgemeine Bild unserer Sportart in der Öffentlichkeit hat schon gelitten. Das Vertrauen müssen wir uns erstmal wieder erarbeiten. Da haben wir, denke ich, letztes Jahr einen guten Anfang gemacht. Darauf können wir aufbauen.

Montag, 08.03.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11881305/menuid/2168

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