Bundestrainer zum Anfassen
Basketball-Coach Dirk Bauermann referierte am Samstag in der Halle Alte Waage
Stellen Sie sich mal vor, Fußball-Bundestrainer Joachim Löw würde durch Deutschland reisen, um Fortbildungen für Nachwuchstrainer zu halten. Ziemlich abwegig, oder? Im Basketball hingegen ist das neuerdings an der Tagesordnung.
Dirk Bauermann hatte im vergangenen Jahr die Nachwuchsförderung in deutschen Vereinen scharf kritisiert. Deshalb geht der Chefcoach der deutschen Korbjäger seit einigen Wochen mit gutem Beispiel voran und tourt durch die Republik, um jungen Übungsleitern einen Einblick in seine Trainer-Philosophie zu gewähren. "Es reicht halt nicht, einmal auf die Trommel zu schlagen und sich dann aufs Sofa zu setzen", betont Bauermann.
Auf Einladung der SG Braunschweig und der Phantoms machte er am Samstag in der Löwenstadt Station. "Wir müssen etwas für die jungen Trainer machen, weil diese die jungen Spieler als Erste in die Hand bekommen", sagte der 52-Jährige. "Meine Aufgabe ist es, diese Trainer zu motivieren und sie ein bisschen besser zu qualifizieren."
Das gelang ihm am Samstag par excellence. Etwa 80 Übungsleiter und Lehrer aus der Region hatten den Weg in die Halle Alte Waage gefunden und lauschten dort fast drei Stunden lang gespannt den Ausführungen des Bundestrainers, dem für den Praxisteil die JBBL-Korbjäger des Teams Braunschweig/Wolfenbüttel zur Verfügung standen.
Bauermann machte den Teilnehmern klar, dass die einfachen Sachen, sozusagen das Handwerkszeug, immer und immer wieder geschult werden müssten. "Basketball ist mehr als den Ball bekommen und blind drauf losdribbeln." So müsse man beispielsweise rund 6000 Stunden am eigenen Wurf arbeiten, um ein gutes Niveau zu erreichen. Ganz wichtig sei zudem, dass Jugendliche Lob, Anerkennung und positive Unterstützung erhielten. Zudem mahnte er, dass das Gewinnen in der Jugend nicht immer im Vordergrund stehen dürfe. Für die Entwicklung der Spieler sei das kontraproduktiv.
"Beeindruckend, wie ruhig er das alles rübergebracht hat", schwärmte Heiko Bischoff aus Wolfenbüttel. "Und das alles ohne Überheblichkeit." Der 42-Jährige nahm, obwohl er sogar in Besitz einer Trainer-B-Lizenz ist, "einige Neuigkeiten" mit nach Hause. "Zudem wurden einem mal wieder viele Kleinigkeiten ins Gedächtnis gerufen."
Heike Schlesinger, Sportlehrerin an der Braunschweiger Ricarda-Huch-Schule, hatte es Bauermanns "Führungspersönlichkeit" angetan. "Die muss man als Lehrer schließlich auch haben", sagte die 40-Jährige. Insbesondere die Ausführungen des Bundestrainers zum Thema Wurf fand die Pädagogin hilfreich. "Da habe ich einiges für meinen Unterricht mitgenommen."
Begeistert von der Fortbildung zeigte sich auch SG-Vorsitzender Jens Löffelsend. Insbesondere die Tatsache, dass viele Trainer aus der Region, unter anderem aus Goslar und Königslutter, teilnahmen, freute ihn. Besonders imponiert habe ihm, mit welcher Deutlichkeit Bauermann "die pädagogische Aufgabe des Trainers hervorgehoben hat".













