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12. Februar 2012
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"Man kann ein Pferd halt nicht fragen, ob es Kopfweh hat"

Interview mit Springreiter Marcus Ehning über Doping-Verdächtigungen, WM-Nominierung und Tochter Yula


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Seit gestern Vormittag weilt Marcus Ehning (35), Deutschlands derzeit bester Springreiter, in Braunschweig. Vier Pferde hat er in diesem Jahr für die Löwen Classics im Gepäck. Vor Turnierbeginn sprach unser Redakteur Christian Schiebold mit dem Weltranglisten-Dritten.

Herr Ehning, Sie sind seit vielen Jahren Stammgast hier in Braunschweig. Wie kommt das?

In erster Linie ist das ein gutes Turnier, das mir gut in den Turnierkalender passt. Bei den Löwen Classics herrscht immer eine freundliche Atmosphäre, es ist sehr persönlich. Das fängt schon hinter den Kulissen an, zum Beispiel bei der Pferde-Registrierung.

Auch sportlich haben Sie durchaus gute Erinnerungen an das Turnier.. .

Ja, 2007 habe ich auf Noltes Küchengirl den Großen Preis gewonnen.

Können Sie sich, bei der Vielzahl an Siegen, die Sie in Ihrer Karriere geholt haben, noch an jedes einzelne Springen erinnern?

An Siege kann man sich immer erinnern, aber natürlich nicht mehr an jedes Detail. Ich könnte Ihnen nicht mehr sagen, wie der Parcours damals aussah.

Als Dritter der aktuellen Weltrangliste gehören Sie auch in diesem Jahr automatisch wieder zum Favoritenkreis. Belastet das nicht auf Dauer?

Nein, absolut nicht. Diesen Druck bin ich ja seit vielen Jahren gewohnt. Damit habe ich gelernt umzugehen.

Sie reisen von Turnier zu Turnier, quer durch die ganze Welt. Bleibt da eigentlich auch mal Zeit, etwas von der Stadt zu sehen. Oder kennen Sie in Braunschweig nur die VW-Halle und ihr Hotel?

Viel Zeit bleibt in der Regel wirklich nicht. Vor ein paar Jahren war ich mal in der Stadt bei einem Empfang im Rathaus. Damit hatte es sich dann aber auch. Zumal ich auch nicht der große Shopping-Typ bin. Wobei: Es gibt auch Turniere, bei denen auch ich mir durchaus mal ein wenig Zeit nehme, um etwas zu sehen.

Wahrscheinlich sind Sie eh froh, wenn Sie wieder zuhause sind. Schließlich sind Sie vergangenes Jahr Vater einer Tochter geworden. Hat das Ihre Sicht auf den Sport verändert? Haben sich die Prioritäten verschoben?

Sicherlich hat sich das Leben verändert, man spricht über ganz andere Dinge und telefoniert noch häufiger, wenn man auf Turnieren unterwegs ist. Aber ich würde nicht von mir behaupten, dass ich seit der Geburt meiner Tochter gelassener auf Turniere fahre. Ich gehe nach wie vor mit großem Ehrgeiz an die Sache, habe aber auch genug Abstand und mache mir selbst nicht mehr so großen Druck. Dafür kenne ich den Sport mittlerweile lange genug.

Ihre Ehefrau Nadia ist ehemalige Voltigier-Weltmeisterin, sie sind einer der erfolgreichsten Springreiter Deutschlands. Ihre Tochter wird kaum ums Reiten herum kommen, oder?

Wenn Sie will, darf Sie gerne etwas anderes machen. Das muss sie später alleine entscheiden. Wir werden ihr da keine Steine in den Weg legen.

Sie sind Olympia-Sieger mit der Mannschaft, dreifacher Europameister sowie zweimaliger Weltcup-Sieger. Woher ziehen Sie Woche für Woche noch die Motivation, bei Turnieren zu starten?

Das ist mein Beruf, mit dem ich meine Brötchen verdiene. Deshalb muss ich dafür sorgen, dass ich meine Pferde in Form halte. Deshalb stellt sich diese Frage eigentlich nicht.

Eine Frage stellt sich aber sehr wohl: Haben Sie die WM dieses Jahr in Kentucky im Blick?

Ja, auf alle Fälle. In den letzten Monaten habe ich gezeigt, dass ich sehr gut in Form bin. Natürlich muss man auch hoffen, dass die Pferde bis dahin gesund bleiben. Aber ich gehe die ganze Sache entspannt an und mache mich da auch nicht verrückt. Wenn ich nicht nominiert werden sollte, geht die Welt auch nicht unter.

Das vergangene Jahr war nicht einfach für den Reitsport. Der Fall Kutscher, die Aussagen von Ludger Beerbaum – plötzlich sahen sich alle Sportler einem Generalverdacht ausgesetzt. Wie sehr hat Sie das geärgert?

Sicherlich ärgert einen das. Man hatte immer das Gefühl, verurteilt zu werden, ohne etwas getan zu haben. In meinen Augen wurde da aber auch von unserer Föderation zu wenig Aufklärungsarbeit geleistet. Nationale Verbände und internationaler Verband sollten eine einheitliche Linie fahren, auch bei Sanktionen. Stattdessen hat die FN vieles im Alleingang gemacht. Das war nicht immer glücklich.

Hatten die provokativen Aussagen von Ludger Beerbaum denn nicht auch einen positiven Aspekt? Ist dadurch der Öffentlichkeit nicht vor Augen geführt worden, dass eine unerlaubte Medikation noch lange nicht mit Doping gleichzusetzen ist?

Das ist ja leider nicht passiert. Es wurde fast immer nur über Doping gesprochen, man ist immer davon ausgegangen, dass wir unsere Tiere pushen wollen. Dabei wollen wir den Pferden meist nur etwas Gutes tun. Im Gegensatz zum Menschen kann man so ein Pferd halt nun mal schlecht fragen, ob es Kopfweh hat. Insofern war es wichtig, dass diese Dinge einmal auf den Tisch gekommen sind.

Freitag, 12.03.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11903550/menuid/2168

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