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14. Februar 2012
2-Tage-Vorschau

Erst singen, dann beten, dann spielen

Der Braunschweiger Fußballtrainer Rainer Zobel über seinen Job in Südafrika, Rituale und Orte, die tabu sind


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BRAUNSCHWEIG. Rainer Zobel, 61 Jahre alt, ist jetzt seit neun Monaten im WM-Land Südafrika tätig – als Trainer des Fußball-Erstligaklubs Moroka Swallows aus dem Johannesburger Stadtteil Soweto. Für den Braunschweiger, ehemals erfolgreicher Profi bei Rekordmeister Bayern München, ist es bereits das vierte Trainer-Engagement auf dem afrikanischen Kontinent.

Zuvor stand der frühere Mittelfeldspieler als Coach bei den ägyptischen Spitzenklubs Al Ahli Kairo, Al Ittihad und Enppi Kairo unter Vertrag. Zuletzt war Zobel bei Dinamo Tiflis in Georgien tätig.

Mit den Swallows beendete Zobel die Saison als Achter – punktgleich mit dem Sechsten. Sein Vertrag wird verlängert.

Bei 28 Grad auf seiner Terrasse sitzend sprach er mit Sportredakteur Hans-Dieter Schlawis.

Verspüren Sie in Johannesburg schon so etwas wie WM-Stimmung?

So langsam geht es los, die ersten Fahnen hängen draußen, auch bei Privatleuten. Die Veranstaltungen und vielen Berichte zum 100-Tage-Countdown haben gewirkt. Aber Afrikaner sind sehr spontan, reagieren wesentlich kurzfristiger als Europäer. Hier wird nicht so viel und akribisch geplant. Ich bin sicher: Kurz vor der WM wird eine fantastische Stimmung herrschen.

Wo steht Südafrikas Fußball gemessen an dem Niveau Deutschlands?

Dribbelkünstler und Straßenfußballer habe ich genug – all das, was in Deutschland manchmal händeringend gesucht wird. Aber an der Schusstechnik hapert es bei den südafrikanischen Spielern oft, an Basisfertigkeiten, die bei uns von Jugend an erlernt werden. Da gibt es noch eine Menge nachzuholen.

Dafür geizt der Fußball am Kap nicht mit Ritualen.

Ja, das stimmt. Da wird mal ein Hühnerbein unter den Sitz gelegt, werden die Schuhe mit heiligem Wasser besprenkelt, geht es zum Wahrsager. Unser Teambetreuer etwa tropft ein bestimmtes Wachs auf Pappe und das wird dann angezündet mitten in der Kabine. Es gibt hier halt Traditionen, die man nicht unterbrechen sollte.

Haben Sie sich schnell aneinander gewöhnt – die Mannschaft und Sie?

Na ja, rund zwei Monate hat es schon gedauert. Aber ich bin ja nicht zum ersten Mal Trainer in Afrika, ich kenne mich mit der Mentalität gut aus.

Wie geht es in der letzten Viertelstunde vor einer Partie in der Kabine zu?

Meine Spieler singen sechs, sieben Minuten lang immer die gleichen Stammeslieder, um sich aufzuheizen, aufzupeitschen. Da habe ich als Trainer keine Chance, lange taktische Anweisungen zu geben, da halte ich mich ruhig heraus. Für letzte taktische Anweisungen bleibt mir eine Minute, mehr nicht – kurz und bündig. Dann beten wir zusammen und dann geht es raus.

Der Start in die Saison mit den Moroka Swallows, die von Volkswagen Südafrika gesponsert werden, war eher holperig.

Ich bin erst neun Tage vor Saisonbeginn angekommen. Das war nicht ganz einfach. In der Weihnachtspause konnte ich einiges ändern, mit Erfolg, wie man gesehen hat. Wir haben die letzten acht Spiele nicht verloren, stehen noch im Pokal und im Afrika-Cup.

Die Liga musste wegen der WM früher als sonst enden, damit der neue Nationaltrainer Südafrikas seine Spieler drei Monate lang zusammen hat. Welche Bedeutung hat die WM für das Land?

Das ist eine Riesensache nicht nur für das Land, nein für den ganzen Kontinent. Die Menschen hier sind sehr stolz darauf, dass Südafrika Ausrichter ist. Es sind phantastische Stadien gebaut worden. Ich weiß gar nicht, wie die alle nach der WM genutzt werden sollen.

Wie gefährlich ist es für Touristen zur WM zu kommen?

Johannesburg gilt als die gefährlichste Stadt der Welt, aber das betrifft nur bestimmte Gegenden. Jeder weiß, wo es gefährlich ist. Dort geht man halt nicht hin. In den neun Monaten, die ich jetzt hier bin, habe ich mich nicht eine Sekunde unsicher gefühlt. Ich bin nie bedroht worden. In Berlin würde ich nachts auch nicht in jeden Stadtteil gehen.

Werden Sie sich die ganze WM ansehen?

Nein. Ich mache Urlaub im deutschen Sommer. Nur für die Vorrundenpartie Deutschlands gegen Serbien habe ich Karten, das werde ich mir ansehen – so der jetzige Plan.

Donnerstag, 18.03.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11936650/menuid/2168

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