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14. Februar 2012
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Massen-Spektakel Sedan-Wettkämpfe

Als 182-Meter-Lauf, Steinstoßen, Weithochsprung sowie Klettern Zehntausende in ihren Bann zog

Von Ulrich Everling

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Welche Sportveranstaltung in der Stadt war die bedeutendste und publikumsträchtigste im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, die schon damals mehr Zuschauerzahlen aufwies als sie heute nur selten erreicht werden?

Eine Rätsel – oder Quizfrage der Kategorie "extra knifflig", die den Ausgangspunkt für einen weiteren Beitrag aus der Frühgeschichte des Braunschweiger Sportgeschehens bildet.

Die Antwort gibt eine Abhandlung aus den Veröffentlichungen des Braunschweiger Sporthistorikers Kurt Hoffmeister. Danach waren es die Sedan-Wettkämpfe, die um 1873 aus den Sedan-Feiern anlässlich des Nationalfeiertags zur Erinnerung an die Kapitulation Napoleons im Krieg 1870/71 aus der Taufe gehoben wurden und jeweils am 2. September stattfanden.

Der Braunschweiger Pädagoge August Hermann war es, der das übliche Volksfest nutzte, der Bevölkerung die in jener Zeit noch wenig bekannte Sport- und Spielbewegung nahe zu bringen.

Ursprünglich gab es während des Festes Übungen wie Klettern am Mast, Sacklaufen und Balancieren auf einem Baumstamm, die jedoch der Bevölkerung der Bedeutung des Tages nicht angemessen erschienen, zumal sich "Jünglinge der besseren Stände, Gymnasiasten und Turner" daran kaum beteiligten.

Das war für Hermann das Signal, einen Festausschuss ins Leben zu rufen, der turnerische Aspekte und "volkstümliche" Wettkämpfe wie Laufen, Springen und Werfen in den Mittelpunkt des Festes stellte.

Die Regeln für den Ablauf der Veranstaltung vermitteln eine Art Sittenbild jener Kaiserzeit. So durften Frauen und Mädchen nicht an den Wettkämpfen teilnehmen.

Zugelassen waren nur Mitglieder von Turnvereinen, Schüler Braunschweiger Schulen und Sportler, die in Braunschweig ihren Wohnsitz hatten, oder Auswärtige, die in der Stadt geboren wurden und deren Eltern hier noch wohnten. Andere galten als "Wilde", die sich vorher anmelden und eine Prüfung ablegen mussten.

Gewerbsmäßige Akrobaten und "Leibeskünstler" blieben von vornherein ausgeschlossen. Kurios muten auch andere Passagen der offiziellen Wettkampfordnung an: "Die Entscheidung bei den einzelnen Übungen haben nur die dazu bestimmten Kampfrichter zu treffen. Allen anderen ist eine Hineinreden untersagt. Wer wiederholt den Anweisungen der Kampfrichter nicht Folge leistet oder ungebührliches Benehmen zeigt, ist sofort von allen Übungen auszuschließen."

Bevor auf dem Festplatz die Wettkämpfe begannen, versammelten sich die Teilnehmer aus Schulen, Turnvereinen, Innungen Gesang- und Kriegsvereinen auf dem Altstadtmarkt zu einem Umzug, der von Tausenden von Zuschauern am Straßenrand begleitet wurde.

Für die Wettkämpfe wurde auf dem früheren "Kleinen Exerzierplatz" auf dem heutigen Gelände des Naturhistorischen Museums am Rebenring eine Sportarena in Form eines Amphitheaters mit einer 3000 Zuschauer fassenden Tribüne geschaffen.

Auf dem Programm standen Übungen wie ein 182-Meter-Lauf nach griechischem Vorbild, Steinstoßen und Weitsprung, später kamen Läufe über 100 und eine "Langstrecke" von 600 Metern sowie Hochweitsprung und Stabhochsprung hinzu.

Da zunächst der 600-Meter-Lauf auf der 100-Meter-Bahn ausgetragen wurde und die Wenden an den Endpunkten sich als sehr hinderlich erwiesen, wurde kurz vor der Jahrhundertwende die Anlage mit einer im Oval gekrümmten Rundbahn von 250 Metern Länge ausgestattet, die nun auch Läufe über 1000 Meter zuließ. Sehr beliebt bei den Zuschauern – nach Aussage von August Hermann kamen oft mehr als 20 000 Interessierte in die Arena – war das Klettern an sieben Meter hohen Tauen mit einem Kreuz an der Spitze, das nach möglichst wenigen Zügen erreicht werden musste.

Den Rekord schaffte ein Turner, der nach nur vier Zügen oben ankam.

Von 1896 an wurden auch Ringkämpfe und Tauziehen in das Programm aufgenommen. Am Beispiel des Jahres 1887 ist das Leistungsniveau in einigen Disziplinen abzulesen. So sprang ein 13-jähriger Schüler fünf Meter weit, und die 100 Meter wurden in "elf zweifünftel" Sekunden zurückgelegt.

Die Sedanwettkämpfe wurden auch durch den herzoglichen Hof aufgewertet. Der Herzog stiftete als Ehrenpreis eine goldene Taschenuhr für den besten Erwachsenen in dem inzwischen eingeführten Vierkampf (Weit- und Stabhochsprung, Steinstoßen und 600-Meter-Lauf.) stiftete.

Viermal sicherte sich der überragende Athlet jener Zeit, Johannes Runge, den Ehrenpreis und erzielte im Hoch/Weitsprung mit 1,55/3,10 Meter eine bis heute in Deutschland nicht wieder erreichte Leistung.

Ab 1888 umrahmten 27 Ehrenjungfrauen die Siegerehrung und überreichten den Gewinnern Eichenkränze und Ehrenbecher. Ein in jenem Jahr zum ersten Mal vorgesehenes Fußballspiel konnte nicht stattfinden, weil Fußball nur im Winter gespielt werden durfte und sich die Vereine wegen mangelnder Übungszeiten im Sommer nicht darauf einlassen wollten.   

Freitag, 19.03.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11942334/menuid/2168

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