"Ich habe dem Sport viel zu verdanken"
Hans-Jürgen Lange war 40 Jahre lang Organisationsleiter vom Radrennen "Rund um den Elm"
Vom provisorischen Nachkriegs-Radsport bis hin zum professionell veranstalteten Rennen "Rund um den Elm" Hans-Jürgen Lange hat den Braunschweiger Radsport jahrzehntelang gelebt und geprägt. Nun ist für ihn Schluss.
"Ich habe dem Sport viel zu verdanken", sagt Lange. Das gilt auch umgekehrt: Der mittlerweile 79-Jährige war von 1964 bis 2004 Vorsitzender des Radsport-Vereins 1923 und seit 1970 Organisationsleiter von Deutschlands ältestem Straßen-Radrennen, "Rund um den Elm", ein echter Klassiker.
1948 trat Lange als 17-Jähriger in den RSV 23 ein, fuhr auch "Rund um den Elm" mit. "Das waren schwere Zeiten damals, so kurz nach dem Krieg. Wir hatten kaum Material und haben uns die Schlauchreifen selber zusammenbasteln müssen", erinnert sich Lange.
"Ein Vereinsmitglied hatte einen Fuhrbetrieb. In dessen Drei-Tonner haben wir Bänke gepackt, unsere Räder vor uns hingestellt und sind so zu den Rennen gefahren." Zu den Veranstaltungen in der "näheren" Umgebung, beispielsweise in Celle, seien sie einfach mit dem Rad gefahren. "Das ist mit heute gar nicht mehr vergleichbar."
Auch in der Renn-Organisation habe sich im Laufe der Jahrzehnte viel getan. "In den 1980er Jahren saß der Wettkampf-Fachausschuss an der Ziellinie auf einem Laster. Einer stoppte den Ersten, der nächste den Zweiten und so weiter. Wenn das Feld dann angestürmt kam, klappte die Methode bei den ersten Fahrern noch, aber beim zwölften, dreizehnten Fahrer passte es häufig nicht mehr."
Erst in den 1990er Jahren sei man dann zur Auswertung mit Zieleinlauf-Fotos übergegangen. "Jetzt läuft das über Transponder, die jeder Fahrer am Bein hat, erfasst von einer professionellen EDV-Firma." So bekomme jeder Fahrer nicht nur seine korrekte Platzierung zugewiesen, sondern auch seine genaue Einlaufzeit erfasst.
Bei anderen Problemen half keine moderne Technik. "Es gab in jedem Jahr Probleme, in der Herzogin-Elisabeth-Straße das Zielband anzubringen, das war immer ein Drama. Es gab keine Halterungen, und keiner wollte in die Bäume klettern." Also sei man auf die Idee gekommen, das Band schon am Tag vor dem Rennen in Ruhe zu befestigen.
"Wir hatten auch daran gedacht, das Band so hoch zu befestigen, dass die Busse darunter hindurch fahren konnten." An die noch höheren Müllwagen hätten sie dagegen nicht gedacht. "Als wir am Renntag zurückkehrten, hing das Band in Fetzen von den Bäumen." In dem Jahr hätten die Fahrer dann ohne die Orientierungshilfe auskommen müssen.
In seiner langen Zeit als Organisator musste Lange "seine" Veranstaltung immer wieder dem Zeitgeist anpassen. "Das veränderte Freizeitangebot, vor allem das Fernsehen, hat uns vor Herausforderungen gestellt." Um die Radsportinteressierten weiterhin an die Strecke zu locken, kam Lange Anfang der 1970er Jahre auf die Idee, die Rennstrecke attraktiver zu machen, indem er kleine, mehrfach zu fahrende Runden einführte.
"Dadurch mussten die Fahrer den Amplebener Berg mit seinen zehn Prozent Steigung bis zu siebenmal hochfahren. Das Zuschauer-Interesse an solchen Stellen ist gut, wenn die Radfahrer dort jede Viertelstunde vorbeikommen."
Mit dem Jedermann-Rennen öffnete Lange die Radsport-Veranstaltung in der Breite, mit dem Nachtrennen schaffte er für die Zuschauer einen besonderen Erlebniswert. "Diese Rennen finanzieren uns mittlerweile. Die Rundfahrt trägt sich heute nicht mehr."
Der Radsport wird den 79-Jährigen nicht nur als Ehrenvorsitzender des RSV 23 weiter begleiten. "Ich fahre immer noch jeden Tag zehn Kilometer, wenn das Wetter stimmt, und bilde mir ein, es hat mich fit gehalten." Er freue sich darauf, die Rundfahrt als ganz normaler Zaungast verfolgen zu können. "So lange ich Funktionär war, musste ich mich immer bei Start und Ziel aufhalten. Vielleicht sehe ich mir das Rennen nächstes Jahr in Hornburg an."













