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03. September 2010
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Basketball im Blut – Braunschweig im Herzen

SG-Legende Scooter Barry fand keinen Posten als Trainer und kehrt mit der Familie in seine amerikanische Heimat zurück

Von Henning Brand

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Die Koffer sind so gut wie gepackt, das Haus ist längst verkauft. In der sonst so fröhlichen Familie des Basketballers Scooter Barry ist die gedrückte Stimmung spürbar. Der Wahl-Braunschweiger fliegt Ende Juli samt Familie in sein Vaterland – wohl für immer.

Wer mit Scooter Barry spricht, merkt sofort, dass sein Herz an Braunschweig hängt. Zwei große Alben sind rappelvoll mit Bildern seiner fast zwanzigjährigen Profikarriere – hauptsächlich mit Eindrücken aus seiner insgesamt dreijährigen Zeit als Spieler in Braunschweig. "Die erste Station als Spieler vergisst man nie", sagt Barry mit strahlenden Augen. Er habe es bei seinem Debüt als Profi damals gut getroffen.

So ist es kein Wunder, dass er Braunschweig ungern verlässt. "Es ist meine Heimat geworden", erklärt der 41-Jährige. Schließlich ist der erste Amerikaner im Dress der damaligen SG nach wie vor eine Lichtgestalt des Braunschweiger Basketballs und bei den Fans mit seiner smarten Art ungebrochen beliebt. "Noch heute werde ich um Autogramme gebeten." Dabei ist sein letzter Auftritt in der Sporthalle Alte Waage bereits zehn Jahre her.

Hier hat er 1991 Kerstin kennen gelernt. Im Sommer 2000 hat das Paar geheiratet. Mit den Kindern Lauren und Grant wohnen sie seit sechs Jahren im Norden der Stadt – in einem Haus mit großem Garten zum Spielen für die Kleinen. In dieser Idylle wollten sie alt werden, den Nachwuchs zweisprachig großziehen.

Dass es nun anders kommt, hätte sich Barry noch vor zwei Jahren nicht träumen lassen. "Aber beruflich bot sich seit dem Ende meiner aktiven Zeit keine Perspektive", begründet er seine Entscheidung, in die Staaten zurückzukehren. Dabei hat er alles versucht, selbst die A-Lizenz als Trainer im Sommer 2004 abgelegt.

"Ich bin überzeugt von meinen Fähigkeiten als Trainer. Ich liebe und atme Basketball", äußert sich Scooter Barry selbstbewusst. Ohne Erfahrung habe er jedoch keine echte Chance erhalten. Daher blieben konkrete Angebote von Bundesligisten lange Zeit aus. Vor einem halben Jahr zerschlug sich, dass er Nachfolger des erfolglosen Silvano Poropat beim Erstligisten Ludwigsburg wurde. Das lange Warten ging weiter.

Bis zum Frühjahr, als Barry in seiner Heimat weilte, um sich bei verschiedenen Firmen vorzustellen. Carl Liebert, Chef der größten privaten amerikanischen Fitness-Kette und ein Basketball-Verrückter, war begeistert von Scooter Barrys Bewerbung. Er suchte jemanden, der den Basketballsport in seinen Studios etabliert und fand in ihm den Richtigen. Wer so lange als Profisportler Erfolg hatte, der wird auch im Beruf erfolgreich sein, ließ ihn Liebert wissen. "Ein Glücksfall", sagt Scooter Barry.

Nun gehen die Barrys also nach Kalifornien. Die gebürtige Braunschweigerin Kerstin weiß, dass sie ihre Familie schmerzlich vermissen wird.

Für den Neustart wartet Scooter Barry auf seinen amerikanischen Pass. Den musste er 2000 bei seiner Einbürgerung abgeben. "Ich habe einen neuen Job und könnte längst angefangen haben. Doch ohne den Pass geht im eigenen Land nicht viel", ärgert sich Barry, dass er keine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt. In anderen Ländern sei das möglich.

Von denen hat Scooter seit 1998, als sich der damalige Manager Richard Hartwig für Trainer Bill Magarity und somit gegen Barry entschied, viele gesehen. Magarity wurde übrigens mitten in der nächsten Saison gefeuert. In Italien, Frankreich, Belgien und Spanien machte Barry im zweiten Frühling seiner Karriere Station, wohnte nur im Sommer in Braunschweig und steigerte sich sogar nochmals.

"Ich bin im Alter besser geworden, da das Niveau in Südeuropa höher ist", berichtet er traurig darüber, nicht mehr die Chance bekommen zu haben, seine Liebe zum Braunschweiger Basketball aufzufrischen. Beispielsweise im Sommer 2000 in der damals neuen Volkswagen Halle. "Richard Hartwig wollte mich zurückholen, doch das verhinderte Trainer John van Crombruggen", nimmt Scooter Barry kein Blatt vor den Mund. Auch der spätere Trainer Ken Scalabroni nahm sein Angebot nicht an, als Barry für einen verletzten Spieler kurzfristig einspringen wollte.

Verstehen kann er das bis heute nicht. Zu gerne hätte Barry einmal in der Volkswagen Halle gespielt und seine Karriere hier beendet. Schließlich galt er über die gesamte Karriere als der ultimative Teamspieler. Scooter Barry und der Braunschweiger Basketball. Das ist zweifellos eine ganz besondere Geschichte. Diese ließ und lässt ihn nicht los, dafür schließt er seine Alben viel zu nachdenklich.

 

Lebensdaten:

Name: Richard Francis Barry IV, genannt Scooter

Geburtsdatum: 13. August 1966

Geburtsort:  San Francisco, Kalifornien

Größe: 1,90 Meter

Bisheriger Beruf:  Basketballer

Position: Spielmacher

Familienstand: verheiratet mit Kerstin, geborene Hoffmann seit Juni 2000. Zwei Kinder: Lauren (5 Jahre) und Grant (20 Monate)

Geschwister: Scooter hat vier Brüder und eine Schwester: Jon (38 Jahre), Brent (36) und Drew (35) sind ebenfalls Basketball-Profis sowie Shannon (34). Brent ist noch beim NBA-Klub San Antonio Spurs aktiv.

Vater: Rick Barry (64), Hall of famer der NBA, achtfacher All-Star

Teams: University of Kansas (NCAA, 1985-89), Boston Celtics (NBA, für drei Monate 1989), San Jose (CBA, 89-91), SG Braunschweig (91/92), Tau Vitoria (ESP, 92/93), Fort Wayne (CBA, 93-95), Melbourne Tigers (AUS, Sommer 95), TuS Herten (95/96), SG Braunschweig (96-98), MTV Gießen (98-00), Messina (ITA, 00/01), Mulhouse, später Cholet (beide FRA, 01/02), Cholet (FRA, 02/03), Charleroi (BEL, 03/04), Teneriffa (ESP, 04/05), Leon (ESP, 05/06). 2006 Karriereende.

Erfolge: 1988 College-Champion mit den Jayhawks. 2008 wurde Kansas erneut Champion. Scooter war beim Finale als Ehrengast vor Ort.

In der Spielzeit 1997/98 wurde Scooter bester Passgeber der BBL mit 6,17 korbbringenden Anspielen.

1997 und 1998 führte er die SG zwei Spielzeiten in Folge in die Play-offs.

BBL All-Star 2000 und All-Star in Frankreich 2003.

Freitag, 20.06.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8651959/menuid/2168

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