Mit 71 Jahren fischt er Bälle aus dem Winkel
Torwart-Routinier Otto Piller hält für den VfB Rot-Weiß und trainiert Polonias Kreisliga-Schlussleute
Wenn die Aussage "Fußball ist sein Leben" gilt, dann trifft sie mit Sicherheit auf Otto Piller zu. Ob als regelmäßiger Zuschauer auf Braunschweigs Sportplätzen, als Aktiver beim VfB Rot-Weiß, oder als Torwarttrainer in der Weststadt beim KS Polonia. Der 71-jährige ist überall präsent.
Fast so rank und schlank wie in seinen besten Tagen, als er Anfang der sechziger Jahre bei Gornik Zabrze in der ersten polnischen Liga spielte, präsentiert Piller sich heute noch. Im seinem unverkennbaren Torwartdress mit schwarzen Stutzen, weißen Knieschonern, rotem Pulli und knapper Mütze hält er eisern an Traditionen fest.
"Neumodische Stiefel, wie sie die jungen Leute heute tragen, sind nichts für mich. Die sind viel zu empfindlich." Seine Schuhe jedenfalls präpariert er nach seiner Art: "Die äußeren Stollen müssen immer etwas länger sein, damit hat man einen viel besseren Halt."
So hat Piller immer Tipps parat. "Warm angezogen muss ein Torwart sein, besonders in der kalten Jahreszeit." Was für andere Kleinigkeiten sind ein schlecht aufgepumpter Spielball zum Beispiel verstößt gegen Pillers Philosophie: "Man kann von draußen hören, ob der Ball in Ordnung ist. Vor jedem Spiel muss immer erst ein wenig Luft ablassen werden, um dann wieder mit Gefühl neue Luft aufzupumpen, bis er in einem guten Zustand ist."
Einmal pro Woche trainiert Piller mit Polonias Kreisliga-Torhütern Krzystof Neuwald und Christian Lacki im Westpark. "Die Jungs nehmen Ratschläge an, ich erkenne jedenfalls gute Fortschritte." Beeindruckend ist, dass er jede Übung vormacht. "Die Jungs staunen, wenn ich so manchen Ball noch aus dem oberen Torwinkel pflücke", betont Piller ein wenig stolz.
Anregungen für sein Training holt er sich an der Hamburger Straße, wenn Eintrachts Profis trainieren. "Da juckt es mir manchmal schon in den Fingern", gibt er zu. Mit seiner Mannschaft vom VfB Rot-Weiß liegt Piller abgeschlagen an letzter Stelle in der Seniorenliga. "Immerhin spielen wir hier gegen die besten Braunschweiger Mannschaften. Die meisten Teams sind jünger als wir."
Im nächsten Jahr feiert Otto Piller mit seiner Ehefrau Ingeborg goldene Hochzeit. "Sie hat mich immer unterstützt, obwohl sie nur ganz selten auf einem Fußballplatz zu sehen war", ist Piller ihr aufrichtig dankbar dafür. Ans Aufhören jedenfalls denkt der vorbildliche Sportsmann noch lange nicht. "Solange meine Gesundheit mitmacht, möchte ich meine Erfahrung nur zu gern weiter- geben."











