Ein Schütze im Land des Lächelns
Hans-Jörg Meyer gewann seine erste EM-Medaille
Verkrampfung sieht anders aus. Egal ob beim Weltcup oder vor dem Finale der Luftpistolen-Bundesliga – der Sportschütze Hans-Jörg Meyer tritt meistens mit einem Lächeln an.
Im kroatischen Städtchen Osijek wurde der für den Schützenbund Broistedt antretende Nationalkader-Schütze für seine Lockerheit beim Saisonhöhepunkt 2009 belohnt. Der 45-Jährige aus Wolfenbüttel spielte bei der Europameisterschaft seine ganze Routine aus und holte sich in einer "Windlotterie" nervenstark die Silbermedaille mit der Freien Pistole.
"Es hatte gar keinen Sinn, gegen den Wind anzukämpfen", verriet der Routinier damals sein Erfolgsgeheimnis. "Vorne an den Zielen waren ganz andere Winde als hinten beim Schützen. Wenn ich beim Hochnehmen der Pistole gemerkt habe, dass der Wind zu stark ist, habe ich konsequent wieder abgesetzt."
Seine Silbermedaille war nicht nur die erste, die er persönlich gewonnen hat, sondern die erste, die der Deutsche Schützenbund seit zwölf Jahren in dieser Disziplin geholt hat. Broistedts Trainer Philip Bernhard und seine Freundin Dorothea hatten Meyer zuvor für den Europameisterschafts-Wettkampf aufgebaut. "Auch in den Pausen des zweistündigen Wettkampfs war Philip Bernhard für mich da. Es ist nicht leicht, sonst die Konzentration so lange hoch zu halten."
Denn allzu oft hatte der bei Volkswagen in Salzgitter beschäftigte Sportler das Finale bei großen Wettkämpfen buchstäblich verfehlt. Immerhin aber gelangen dem Sieger der ersten PN-Wahl zu Peines Sportler des Jahres respektable Platzierungen bei den Olympischen Spielen in Peking 2008. Im Endkampf um die Medaillen aber standen oft andere.
Diesmal aber war er dabei – und wie. "Du lässt die anderen Teilnehmer aussehen wie Touristen", hatte ihm ein staunender neutraler Beobachter zugeraunt. "Das war eine Klasseleistung", lobte auch Bundestrainer Peter Kraneis.
Endlich zahlten sich die Strapazen aus, die er seit Jahren auf sich nimmt. Fast an jedem Wochenende steht ein Wettkampf oder ein Lehrgang an. Die Autobahnstrecke zum Bundes-Leistungszentrum Suhl fährt er ebenso oft wie die zum Olympiazentrum München, wo Meyer im Sommer an der Weltmeisterschaft teilnehmen will.
Vielleicht nennen ihn die Broistedter, mit denen er zweimal Bundesliga-Vizemeister wurde, deshalb "Papa" Meyer: Weil er alles mit einem gütigen Lächeln erledigt.













