Güzin Atac kämpft mit den Waffen einer Frau
Die Boxerin des BC-Tigers sammelt drei Titel im vergangenen Jahr Eine Profikarriere strebt die Lebenstedterin nicht an
LEBENSTEDT. Diese junge Frau ist bildhübsch, intelligent und äußerst schlagkräftig. Nicht zu Unrecht erhielt sie daher den Spitznamen "Lara Croft" verpasst.
Und wie die Hauptfigur eines der weltweit berühmtesten Computerspiele boxt sich Güzin Atac durch diverse Abenteuer. Einziger Unterschied: Atacs Gefilde sind die Boxringe in Deutschland. "Sie hat eine enorme Schlaghand mit der sie jede Gegnerin in die Knie zwingen kann", lobt ihr Trainer Abdullah Kocer vom Boxclub Tigers.
Und die bekamen Atacs Gegnerinnen im vergangenen Jahr reihenweise zu spüren. In ihrer Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm wurde die 19-Jährige Landesmeisterin, Norddeutsche Meisterin und Deutsche Meisterin. Ihr großer Vorteil ist die Rechtsauslage. Das bedeutet, die rechte Hand ist ihre Führhand mit der sie die Gegner "abtastet" oder auf Distanz hält. Die linke Hand ist ihre starke Schlaghand, die sie mit Geraden und Haken an den Kopf oder den Körper der Gegnerinnen prasseln lässt.
Da die Mehrzahl der Boxer Rechtshänder und damit Linksausleger sind, stehen sie oft vor Problemen, Atacs Angriffswellen abzuwehren oder zu kontern. "Güzin ist eine intelligente Boxerin, die ihre Vorteile gnadenlos ausnutzt", freut sich Trainer Kocer über die Erfolge seines Schützlings.
Sorgenfalten treiben ihm nur manchmal die Konditionsprobleme der Lebenstedterin auf die Stirn. In den Augen des Trainers bewegt sich Atac noch zu wenig im Ring, die Beinarbeit hat noch Reserven. Doch daran arbeitet Güzin Atac fleißig, besonders vor den Wettkämpfen.
Dreimal pro Woche lässt die Fachabiturientin die Fäuste in den Übungsräumen der Tigers fliegen. Zusätzlich läuft sie an den Wochenenden, um ihre Ausdauer zu verbessern. Nach den kraftraubenden Einlagen fühlt sie sich oft wie neugeboren. "So kann ich gut den Alltagsstress und auch mögliche Aggressionen abbauen", schnauft die athletische junge Frau nach dem Training.
Ihre Eltern sind sehr stolz auf die Tochter, drücken ihr immer kräftig die Daumen für die Kämpfe. Eine Profikarriere strebt Güzin Atac aber nicht an. "Boxen soll Hobby bleiben. Ich möchte gern Zahntechnikerin werden", sagt sie. Wobei sie mit einem Auge auf die Olympischen Spiele 2012 blickt. Dafür müsste Atac vier Qualifikationskämpfe gewinnen. Doch angesichts ihres Ehrgeizes und ihrer immensen Schlagstärke wird es für ihre Kontrahentinnen sehr schwer, sie auf dem Weg nach London zu stoppen. Als Deutsche Meisterin gehört sie durchaus zu den aussichtsreichen Kandidatinnen.
Wenn sie nicht die Boxhandschuhe schnürt, fährt Atac gerne Rad oder spielt Badminton. Im vergangenen Jahr wurde sie auch angesprochen, ob sie nicht Lust hätte, an der "best girl Salzgitter"-Wahl teilzunehmen. Zwar fühlte sich die 19-Jährige geschmeichelt, lehnte aber ab. Angesichts ihres modebewussten Kleidungsstils und gewinnenden Lächelns hätte sie auch dort den Ring beziehungsweise den Laufsteg als Siegerin verlassen können. Aber ob sie dann noch den Spitznamen Lara Croft behalten hätte?













