Zwischen den EM-Finals zum Abiball
Gehörloser Ex-Hornburger fährt bei Europameisterschaften in Dortmund zahlreiche Medaillen und Rekorde ein
Bei den 10. Gehörlosen Schwimm- Europameisterschaften in Dortmund verteidigte Björn Koch erfolgreich seine 2006 errungenen Titel und gewann noch weitere Medaillen hinzu. Dabei jagte er seinen eigenen Welt- und Europarekorden hinterher.
Mit zweieinhalb Jahren wurde bei Koch Gehörlosigkeit diagnostiziert, ein mühsames Erlernen der Lautsprache wurde somit nötig. Andere Sportarten wie Fußball, mit vielen akustischen Signalen, blieben ihm daher verwehrt.
Die große Karriere des heute 22-Jährigen begann einmal im Hornburger Freibad. Durch die zahlreichen Besuche bei seinen Großeltern entdeckte er dort seine Leidenschaft fürs Schwimmen. "Ohne sie", ist sich Koch sicher, "hätte ich wohl nie das Schwimmen erlernt."
Nach kurzer Zeit beim MTV Wolfenbüttel zog seine Familie aber in den Schwarzwald um, wo sich der Ehrgeiz des jungen Wasserflohs allmählich durch Erfolge bezahlt machte. Da die Schule trotzdem nicht zu kurz kommen sollte, stand erst der Einzug in ein Internat nach Baden-Württemberg, später nach Essen an.
Schon bald erfuhr Koch durch den Schwimmer Nicky Lange von Gehörlosen-Wettkämpfen und erhielt nach ersten Erfolgen eine Einladung zum Nationalkader. "Ich bin Nicky immer noch dankbar, dass er mich zum Gehörlosen-Sport gebracht hat, wir schwimmen heute sogar gemeinsam im Nationalteam", erzählte Koch, als er sich jüngst in Hornburg auf die Meisterschaft vorbereitete. "Das bislang schönste Erlebnis meiner Karriere war als erster deutscher Gehörloser die Ehrung in Salt Lake City zum Weltsportler 2007", so Koch. Die Verleihung des silbernen Lorbeerblattes im Mai 2010 durch Horst Köhler sei ebenfalls ein Höhepunkt gewesen.
Nachdem sich sein hartes Training immer mehr auszahlte, beschloss Koch, sein Abitur zu machen. Neben allen sportlichen Erfolgen hat er es vor zwei Wochen bestanden und besuchte jetzt trotz noch laufender EM seinen Abiball in Oberhausen.













