"Wahnsinn": Stefan Bäumann holt WM-Bronze
Gifhorner Handbiker wird in Kanada Dritter im Zeitfahren 0,8 Sekunden fehlen zu Silber 90 Minuten zwischen Bangen und Jubel
GIFHORN. "Hammer! Das ist echt der Wahnsinn": Stefan Bäumann konnte seine Freude kaum in Worte fassen. Der 40-jährige Handbiker aus Gifhorn wurde sensationell Dritter im Zeitfahren bei den Weltmeisterschaften im kanadischen Baie-Come.
Für den Straßen-Weltmeister von 1997 war dies ein ganz neues Gefühl. "Es ist die erste Zeitfahr-Medaille meiner Karriere dieser Erfolg hat einen sehr hohen Stellenwert für mich", betonte der Gifhorner, der lediglich als Außenseiter ins Zeitfahren gegangen war. "Doch diese Chance habe ich genutzt", freute sich Bäumann.
Hinter dem souveränen Weltmeister Jean-Marc Berset (Schweiz) entwickelte sich ein packender Dreikampf um zwei Medaillen. Bersets Zeit von 19:38 Minuten war unangefochten auf dem 11,4 Kilometer langen Kurs in Kanada. Der Schweizer hatte damit mehr als 22 Sekunden Vorsprung auf seinen Landsmann, den Ausnahmefahrer Heinz Frei. Und hinter dem landete bereits Stefan Bäumann mit 0,8 Sekunden Rückstand.
Damit gelang es dem Gifhorner als einzigem Fahrer, in die Phalanx der Schweizer vorzustoßen. Denn auf Rang 4, 1,62 Sekunden hinter Bäumann, folgte mit Lukas Weber der dritte Eidgenosse. Max Weber, Bäumanns deutscher Dauerkonkurrent, hatte mehr als Fünfter schon mehr als 40 Sekunden Abstand zum Bronzerang. Übrigens: Bei der Zwischenzeit hatte der Gifhorner noch den undankbaren vierten Platz inne.
Bis er über seine erste Zeitfahr-Medaille jubeln durfte, dauerte jedoch noch 90 Minuten eine gefühlte Ewigkeit für den 40-Jährigen. "Das war schon nervig. Damit wurde die ganze Zeit meine Euphorie gebremst", schilderte Stefan Bäumann die anderthalb Stunden zwischen Bangen und Jubel. Der Grund für die lange Wartezeit: "Es gab Proteste gegen einige Klassifizierungen neuer Athleten, da wurden die Ergebnisse bis zur Entscheidung zurückgehalten. Doch Ende gut, alles gut!", sagte der Gifhorner spürbar erleichtert.
Damit hat er Teil 1 seiner WM-Mission erfolgreich hinter sich gebracht. "Die erste Medaille ist im Sack. Jetzt kann ich allem Weiteren gelassen entgegen sehen", erklärte Stefan Bäumann, der auf jeden Fall aber noch ein zweites Edelmetall mit nach Deutschland nehmen möchte. Das hatte er schon vor den Titelkämpfen klargestellt. Und zwei Möglichkeiten bieten sich ihm dazu noch. Im Straßenrennen am heutigen Samstag, in dem der 11,4 km lange Kurs viermal zu durchfahren ist. Und im Teamevent am Sonntag, bei dem der Gifhorner zusammen mit Max Weber und Andre Eskau zu den Titelfavoriten gehören sollte. "Der Wettbewerb wird wie eine Staffel gefahren. Da habe ich die größten Chancen, ganz weit vorne zu landen", erläuterte Bäumann in Baie-Come, das 400 Kilometer nordöstlich von Quebec liegt.
Dass er sehr gut in Form ist, wusste der 40-Jährige schon vorher. Aber dass es so gut läuft in Kanada, hatte er eben nicht erwartet. Allerdings muss er dafür ja auch ein Opfer bringen. "Es ist schon das fünfte oder sechste Jahr in Folge, in dem ich nicht beim Altstadtfest sein kann", sagte Stefan Bäumann aus der Ferne und schob hoffnungsfroh und schmunzelnd nach: "Wer weiß, vielleicht gibt es aber dann danach noch mehr zu feiern "













