Keine Probleme in der Dampfsauna
Handbiker Stefan Bäumann aus Gifhorn träumt von einer Medaille bei den Paralympics in Peking
GIFHORN. Den großen Ballast der Favoritenbürde ist er zwar los nach 18-tägiger Trainingspause aufgrund einer Virusinfektion. Trotzdem wird das Paralympics-Gepäck, das Handbiker Stefan Bäumann morgen in Hannover aufgeben wird, 70 Kilo wiegen.
"Ohne Kleidung das ist wie ein halber Umzug", sagt der Gifhorner schmunzelnd und schiebt nach: "Ich muss ja für alle Fälle gerüstet sein." Werkzeug, Ersatzteile, acht Laufräder und obendrein noch eine ganze Menge Radklamotten verstaut der Weltmeister von 2006 in seinem Gepäck, in dem man irgendwelche Glücksbringer vergeblich suchen wird. "Ich bin nicht abergläubisch", erklärt Bäumann.
Und dennoch gibt es in Peking ein gutes Omen für den ehemaligen deutschen Meister. Denn schließlich werden sowohl das Einzelzeitfahren am 12. September (über 12,4 km) als auch das Straßenrennen am 14. September (über 49,6 km) auf Teilen der Triathlonstrecke ausgetragen, auf der der deutsche Außenseiter Jan Frodeno am 19. August sensationell olympisches Gold geholt hatte.
"Ich habe am Fernsehen genau hingeguckt. Der Kurs ist wirklich happig, da geht es nur rauf und runter", sagt Stefan Bäumann.
Die direkte Vorbereitung für die Paralympics sei alles andere als geplant gelaufen, so der Gifhorner. "Ich habe einiges an Kraft verloren. Aber meine Form zuvor war richtig gut, davon muss ich nun zehren", berichtet Bäumann und schiebt nach: "Ich bin nun nicht mehr einer der Topfavoriten und werde die Rennen genießen. Bei mir ist keine Nervosität vorhanden, im Gegensatz zu anderen Athleten, mit denen ich gesprochen habe", erzählt der Handbiker-Fahrer, der für den VfL Wolfsburg an den Start geht.
Den Glauben an sich selbst hat Bäumann aber längst noch nicht verloren. "Ich bin zuversichtlich. Eine Medaille wäre ein Traum. Das ist mein Ziel, darauf habe ich hingearbeitet", betont er.
Und wenn es nicht klappt in Peking? "Dann muss ich halt dran bleiben und bis London fahren." Doch das ist Zukunftsmusik, an 2012 denkt der Gifhorner noch nicht.
"Ich fahre nicht nach Peking, um Urlaub zu machen", gibt er sich kämpferisch und hat nicht nur viel Zeit für seine Paralympics-Premiere investiert. So geht Bäumann in China mit einem neuen Handbike an den Start, das etwa 8000 Euro gekostet hat und ein Kilogramm leichter ist (13 kg) als das Vorgängermodell. "Und es ist deutlich steifer, das ist gut für den Sprint und am Berg", erklärt der Radsportler.
Damit passt es ideal zu Bäumanns Paradedisziplin, dem Straßenrennen, wo schon an so mancher Steigung die Medaillen vergeben wurden.
"Im Straßenrennen kann einiges passieren, da muss nicht der Stärkste gewinnen. Oft entscheidet die richtige Taktik", berichtet der Gifhorner. Und noch ein weiterer Faktor könnte in Chinas Metropole den Ausschlag geben: das Wetter.
"Ich habe bei so einer hohen Luftfeuchtigkeit noch keine Wettkampf-Erfahrungen gemacht. In einer Dampfsauna habe ich jedenfalls keine Probleme", merkt Bäumann lächelnd an und freut sich bereits auf "das Gesamtpaket Peking und das Leben im Olympischen Dorf".
Alleine wird der Radsportler den Weg nach China allerdings nicht antreten. Mutter Herta wird den 38-Jährigen begleiten. "Ich finde es klasse, dass sie dieses Erlebnis mit mir teilen kann", sagt Bäumann.













