Die Meere versauern, Korallen sind in Gefahr
Forscher verbreiten Schreckens-Szenarien bei Welt-Ozean-Konferenz in Indonesien
BRAUNSCHWEIG. Die Folgen des Klimawandels für die Weltmeere sind bedrohlich. Das sagen Forscher aus 80 Ländern auf der derzeitigen 1. Welt-Ozean-Konferenz in Indonesien.
Nach Angaben von Richard Spinrad ist ein Anstieg des Meeresspiegels von mehr als einem Meter in den nächsten hundert Jahren nicht mehr auszuschließen. In den Regionen, die dann überflutet würden, leben 150 Millionen Menschen. Der stellvertretende Direktor der US-Behörde für Ozeanographie sprach in Manado bei der Welt-Ozean-Konferenz vor Klimaforschern, Ozean-Experten, Regierungsvertretern und Umweltschützern.
Professor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung geht sogar weiter als Spinrad. "Ein Anstieg des Meeresspiegels um zwei Meter ist nicht auszuschließen", sagte er unserer Zeitung. Der Anstieg hätte verheerende Folgen: "Bangladesch würde versinken, die Niederlande wären bedroht, Hamburg müsste die Deiche aufschütten und das Hinterland verändern. Eine Sturmflut, die sonst alle hundert Jahre über Manhattan einbricht, käme alle drei bis vier Jahre vor", nennt der Forscher Konsequenzen des Klimawandels.
Doch der Klimawandel hat die Weltmeere längst erfasst. Laut Spinrad sind die Meere schon jetzt ein Drittel saurer als noch vor 100 Jahren.
19 Prozent der Korallenriffe weltweit seien bereits zerstört, sagte Gabriele Göttsche-Wanli aus dem Ozeanrat der Vereinten Nationen in New York. Weitere 15 Prozent seien in Gefahr, in den kommenden elf Jahren abzusterben.
Nahrungskette zwischen Algen und Fischen ist gestört
Der Potsdamer Klimaforscher Levermann hält zudem Algen durch das sauer werdende Meerwasser für bedroht. "Da Fische sich von Algen ernähren, ist die Nahrungskette gestört", so der Professor.
Die Forscher haben in Manado bereits seit Montag diskutiert. Der indonesische Fischereiminister appellierte an die reichen Länder, angesichts der globalen Wirtschaftskrise die Folgen des Klimawandels vor allem in den Entwicklungsländern nicht zu vergessen.
Meere sollen größere Rolle bei Weltklimavertrag spielen
Die Teilnehmer wollen morgen zum Abschluss der Konferenz eine gemeinsame "Erklärung von Manado" verabschieden. Zentrale Forderung: Der Zustand der Meere und ihre Rolle im Klimawandel müssen bei den bevorstehenden Verhandlungen über einen neuen Weltklimavertrag bei den UN-Verhandlungen im Dezember in Kopenhagen einen zentralen Stellenwert haben.
Auch Klimaforscher Levermann geht davon aus, dass die Weltmeere ein großer Leidtragender des Klimawandels sind. "Wir brauchen einen globalen Pakt", sagt Levermann.
Jedoch hält der Potsdamer nichts davon, die Naturräume gegeneinander auszuspielen. "Ein funktionierendes Klimasystem ist ohne den Atlantik nicht vorstellbar. Genauso wichtig ist aber zum Beispiel der Amazonas-Regenwald."













