"Es war nie einfacher, eine Firma zu gründen"
Günter Faltin: Jeder kann Unternehmer werden
BRAUNSCHWEIG. Karstadt ist pleite, und viele zucken nur mit den Schultern. Aber war nicht der Ruf nach Staatshilfe auch verständlich? Was soll aus den Verkäufern werden, die ihren Job verlieren und am wenigsten Schuld sind am Karstadt-Schlamassel?
Professor Günter Faltin wirkt ungeduldig, wenn man ihm mit solchen Fragen kommt. "Wenn ein Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, sollten wir nicht mit Erhaltungsanstrengungen darauf reagieren sondern uns etwas Neues einfallen lassen."
Bei Karstadt wüssten die Beteiligten nicht erst seit gestern von den Problemen. "Trotzdem haben alle gewartet bis zum Untergang und inszenieren nun ein Riesen-Spektakel." Das spreche nicht gerade für die unternehmerische Weitsicht.
Die Weitsicht des Unternehmers das ist Faltins Spezialgebiet. Er leitet an der Freien Universität Berlin den Arbeitsbereich Entrepreneurship, zu Deutsch: Unternehmertum. Davon versteht Faltin einiges: Er gründete eine Firma, die gute Ideen entwickelt und umsetzt. Etwa die Ausschaltung von Zwischenhändlern im Tee-Geschäft damit wurde Faltin zum größten Einzel-Importeur von Darjeeling-Tee weltweit.
An Deutschland stört Faltin die Bürokratie und dass zu oft in die Vergangenheit geblickt werde. "So lockt man keinen Unternehmer da braucht es dann schon Subventionen." Seine Antwort auf die Arbeitsmarktkrise: "Fast jeder kann ein Unternehmer werden." Gefragt sei "Volks-Entrepreneurship".
"Es war noch nie so einfach, ein Unternehmen zu gründen." Dank Internet brauche man dafür weder wirtschaftliches Fachwissen, noch großes Startkapital denn auf die Idee komme es an, nicht aufs Geld.
Gestern präsentierte Faltin Schülern des Braunschweiger Christophorus-Gymnasiums seine These verdichtet auf drei Wörter: Kopf schlägt Kapital.













