"View-Car" macht Autofahren sicherer
Braunschweiger DLR-Projekt zur Entwicklung von Assistenzsystemen nach dem Vorbild der Luftfahrt
BRAUNSCHWEIG. Ein Forschungsfahrzeug, mit dem Fahrerassistenzsysteme für die Autobranche entwickelt werden sollen, hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gestern in Braunschweig vorgestellt.
Das neue DLR-Institut für Verkehrsführung und Fahrzeugsteuerung, vor einem Jahr gegründet, soll Knowhow der Luft- und Raumfahrt für die irdischen Verkehrssysteme Straße und Schiene nutzen. Bei automatischen Systemen, die Piloten in Flugzeugen und Lotsen im Tower unterstützen, ist die Luftfahrt schon viel weiter. Dabei ist die DLR in Braunschweig weltweit Spitze, was die Entwicklung solcher Assistenzsysteme für Flüge, Starts und Landungen und für den Rollverkehr auf dem Flugfeld betrifft.
Um Assistenzsysteme für Autofahrer zu entwickeln, müssen erst eine Menge Daten über Verkehr und Fahrerverhalten für die so genannte Fahrermodellierung gewonnen werden, erläutert Instituts-Leiter Professor Karsten Lemmer. Er stellte das Projekt "View-Car" gestern der niedersächsischen Wirtschaftsministerin Dr. Susanne Knorre vor.
Land fördert Projekt
Das Test-Auto, ein Audi A6, ist mit einem "Eye-Tracking-System" ausgestattet. Zwei Kameras auf dem Armaturenbrett sammeln Bilder über Verhalten und Reaktionen des Fahrers auf einer Fahrt. Eine weitere Kamera auf dem Dach, die die Fahrerbilder zugespielt bekommt, wird automatisch in Blickrichtung des Fahrers gesteuert und registriert deshalb den Verkehr aus seiner Sicht. Ergänzend erfasst ein Laser-Scanner Position, Größe und Tempo der umgebenden Fahrzeuge im fließenden Verkehr sowie Fußgänger und Radfahrer. Berücksichtigt werden natürlich auch die Fahrdaten des eigenen Fahrzeugs. Mit all diesen Daten können die Forscher die beabsichtigten und tatsächlichen Reaktionen von Fahrern bewerten und daraus ein allgemeines Fahrermodell entwickeln. Und das wiederum ist die Basis künftiger Fahrerassistenzsysteme. Für deren Entwicklung müssen die Forscher nicht nur wissen, wie die Autos bei bestimmten Situationen reagieren, sondern auch, wie die Fahrer reagieren.
Mit solchen Systemen könne, so Lemmer, die Fahrsicherheit und die Effizienz des Straßenverkehrs erhöht werden. Teil-Systeme gebe es bereits: etwa ABS bei den Bremsen oder das elektronische Stabilitätsprogramm ESP. Damit Assistenzsysteme sinnvoll den Fahrer unterstützen, müsste die "Mensch-MaschineSchnittstelle" optimal gestaltet werden also wie das System den Fahrer informiert und unterstützt.
"View-Car" wird mit Landesmitteln gefördert. Das Fahrzeug nutzen die DLR-Forscher nicht nur für die eigene Arbeit, sondern stellen es auch Kunden aus der Industrie und anderen Forschungseinrichtungen zur Verfügung. Im nächsten Jahr wollen die DLR-Forscher mit Testfahrten zwecks Datensammlung im normalen Straßenverkehr beginnen.
Das Fazit der Ministerin bei dem DLR-Besuch war ausgesprochen positiv: "Verkehrssicherheit braucht Spitzentechnologie. Hier zeigt sich, dass Niedersachsens starke Position in der Luft- und Raumfahrt auch die Autobranche voranbringt". Das Forschungsauto sei ein gutes Beispiel, dass es zwischen Flugzeugindustrie und Autobranche immer mehr Berührungspunkte gebe.
Neues Institut
Das neue Institut in Braunschweig, dessen Start das Land mit 15 Millionen Euro finanziert, beschäftigt inzwischen 24 Mitarbeiter. Der Ausbau auf 60 Forscher ist für die nächsten Jahre geplant. Geforscht wird in den Schwerpunktbereichen Auto- und Bahnverkehr.













