Es geht um Jobs, Jobs, Jobs und erst dann ums Geld
IG Metall geht ohne bezifferte Entgeltforderung in die Tarifrunde
BRAUNSCHWEIG. Schon heute, drei Monate vor Auslaufen des Tarifvertrages, starten IG Metall und Metall-Arbeitgeber in Neuss in die Tarifrunde 2010. Das Novum: Die Gewerkschaft beziffert ihre Entgeltforderung nicht, will stattdessen Arbeitsplätze sichern.
Entlassungen zu vermeiden und Arbeitsplätze zu erhalten besitzt nach Worten von Detlef Kunkel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Braunschweig, absoluten Vorrang in der Tarifrunde. Kunkel ist ehrenamtliches Mitglied im IG-Metall-Bundesvorstand und spricht von einer beschäftigungspolitischen Bewährungsprobe.
Zum Verzicht auf eine konkrete Entgeltforderung sagt Kunkel: "Das ist keine Trendwende, sondern eine zeitlich befristete Antwort auf eine wirtschaftliche Ausnahmesituation."
Gewerkschaftschef Berthold Huber stellte nach einer Sitzung des Bundesvorstands klar: "Eine Nullrunde wird es nicht geben, Reallohnsicherung muss mindestens sein."
Laut IG Metall geht es darum:
Gesetzliche Kurzarbeit soll um eine tarifliche Kurzarbeit ergänzt werden und zwar mit Teillohn-Ausgleich. Im Gespräch ist eine Absenkung der Arbeitszeit auf bis zu 26 Stunden.
Die Reallöhne sollen gesichert bleiben.
Junge Fachkräfte sollen vor Entlassungen bewahrt werden, eventuell durch Kombinationen aus Übernahme und Weiterbildung.
Geht es nach den Metallern, wird der Teillohn-Ausgleich von Steuern und Abgaben freigestellt Arbeitnehmer und Arbeitgeber würden davon profitieren.
Wolfgang Niemsch, Braunschweiger Unternehmer und Verhandlungsführer der Metall-Arbeitgeber in Niedersachsen, begrüßt den Kurs der IG Metall in der diesjährigen Tarifrunde und befürwortet ausdrücklich tarifliche Kurzarbeit. "Wir sind einer Meinung, indem wir sagen: Unternehmen müssen so viele Mitarbeiter an Bord halten müssen, wie möglich." Die gewerkschaftliche Forderung nach einem Teillohn-Ausgleich bei Arbeitszeiten zwischen 26 und 30 Stunden hält Niemsch für legitim.
Gewerkschafter Kunkel pocht allerdings darauf, dass vor tariflicher Kurzarbeit gesetzliche Kurzarbeit ausgeschöpft werden muss.
Beide, Kunkel und Niemsch, sehen die Politik in der Pflicht, den Tarifparteien bei der Beschäftigungssicherung zu helfen eben durch beitragsfreien Teillohn-Ausgleich. Niemsch spricht von einer Gratwanderung in den anstehenden Verhandlungen. Einerseits könne kein Vertrag zu Lasten Dritter, also der Politik, geschlossen werden. Andererseits dürfe es nicht darauf hinauslaufen, dass die Politik keine Notwendigkeit zur Unterstützung sieht.
IG-Metall-Tarifexpertin Helga Schwitzer pochte auf eine rasche Lösung, um Entlassungen zu vermeiden. Die IG-Metall-Lösung bringe allen Beteiligten Vorteile: Die Beschäftigten behielten ihre Jobs, Arbeitgeber könnten Fachkräfte halten; die Politik spare Geld, das sie sonst für mehr Arbeitslose zahlen müsste.
Derzeit arbeiten laut IG Metall rund 650 000 Metaller kurz.













