VW-Aufsichtsrat erörtert Affäre
Wirtschaftsprüfer geben Zwischenbericht Ernennung eines Hartz-Nachfolgers unwahrscheinlich
WOLFSBURG. Die Türen des Raums "Geduld" im Wolfsburger Hotel Ritz-Carlton waren fest verschlossen. "Nicht stören!" Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats traf sich gestern um 17 Uhr zur entscheidenden Vorbesprechung.
Mit dabei: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, IG-Metall-Chef Jürgen Peters, Ministerpräsident Christian Wulff und Ferdinand Piëch.
Gut anderthalb Stunden hat die Sitzung des wichtigsten aller VW-Gremien gedauert. Die Themen: Absprache über die Tagesordnung, Absprache über die Gewichtung der Themen.
Tagesordnung ist geheim
Zur gleichen Zeit kam ein Großteil der 16 anderen Aufsichtsräte im Wolfsburger Hotel an. Gegen 19 Uhr traf sich die so genannte Kapitaleigner-Seite samt Vertretern des Landes Niedersachsen im Nebenraum "Überzeugung". Ebenfalls im Hotel besprachen die zehn Arbeitnehmervertreter die heutige Aufsichtsratssitzung. Im Hintergrund mit dabei: alle Betriebsratschefs der einzelnen Werke.
Heute um 9 Uhr kommen alle 20 Aufsichtsratsmitglieder im dritten Obergeschoss des VW-Verwaltungsgebäudes zusammen paritätisch geteilt, je zehn Kapitaleigner und Arbeitnehmervertreter. Mit dabei ist eine Frau: Elke Eller, die Leiterin der "Politischen Planung" der IG Metall aus Frankfurt.
Die Tagesordnung ist streng geheim. Nichts darf nach draußen dringen. Es könnte börsenrelevant sein. Im Mittelpunkt soll heute die wirtschaftliche Lage des Unternehmens besonders auf den Auslandsmärkten stehen. Was macht die Expansionsstrategie in Indien und in Südostasien? Klar ist wohl auch, dass heute kein Nachfolger für den zurückgetretenen VW-Personalvorstand Peter Hartz präsentiert wird. Ob das Thema Arbeitsplatzabbau ebenfalls auf der Tagesordnung steht, ist offen.
In der VW-Korruptionsaffäre erhält der Aufsichtsrat des Autobauers knapp drei Monate nach Aufkommen der Betrugs- und Untreuevorwürfe gegen Ex-Spitzenmanager einen Zwischenbericht von Wirtschaftsprüfern dies ist offiziell bestätigt worden.
Keine Schriftstücke
"Die KPMG wird einen Zwischenbericht geben", sagte ein Konzernsprecher. Die Wirtschaftsprüfer von KMPG werden ihren Bericht dem Kontrollgremium mündlich vortragen, wie es aus Konzernkreisen hieß. Dadurch soll offenbar verhindert werden, dass Schriftstücke mit Details in die Öffentlichkeit gelangen können. Ein Abschlussbericht der Wirtschaftsprüfer wird nicht vor Ende Oktober erwartet.
Wie gestern berichtet, hat es in den Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Management über den Produktionsstandort des Golf-Geländewagen Fortschritte gegeben.
Bernd Osterloh teilte mit, der Betriebsrat hoffe, dass es in absehbarer Zeit zu einem "tragfähigen Kompromiss im Sinne der Standort- und Beschäftigungssicherung" in Wolfsburg komme. "Wir bewegen uns aufeinander zu", so Osterloh. Eine VW-Sprecherin bestätigte, die Verhandlungen kämen voran. Sie sollen am Montagnachmittag weitergeführt werden wohl samt Nachtsitzung.













